NACHRICHTEN

Denkmalpfleger: Klöster "Identifikationsorte der Zivilisation"

Bayerns oberster Denkmalpfleger Mathias Pfeil sorgt sich um die Zukunft der Klöster. Von rund 1000 Anlagen im Freistaat würden nur noch 157 im ursprünglichen Sinne genutzt, sagte der Generalkonservator der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in München. "Leider Gottes geht die Dynamik weiter nach unten." Viele Orden seien kurz davor, ihren Betrieb einzustellen. Das werfe die Frage auf, was aus den aufgegebenen Gebäuden werden solle.

Mit Nachdruck sprach sich Pfeil gegen einen Abriss von Klöstern aus. Diese seien "Identifikationsorte unserer Zivilisation". An ihnen lasse sich "die Urbarmachung Bayerns ab dem achten Jahrhundert nachvollziehen". Dabei gehe es nicht nur um Religion, sondern auch um Kultur, um die Prägung von Landschaften, etwa durch klösterliche Bewirtschaftung, die Entwicklung von Handwerkstechniken oder Bildung. "Das alles ist weit mehr als man heute mit einem Kloster verbindet."

Die Überalterung und damit häufig verbundene Aufgabe von Klöstern ist aus Pfeils Sicht "ein riesiges Problem". Viele Gemeinschaften stünden ziemlich alleine da. Der Architekt sagte, er vermisse ein Netzwerk. Klöster seien es zwar gewohnt, eigenständig zu agieren, es sei aber "nicht richtig, bis zum letzten Tag einfach abzuwarten". Auch müsse nicht jeder "selbst alles neu erfinden". Manchmal dauere es jedoch Jahre, bis mit verschiedensten Partnern eine Mosaikförderung ausverhandelt sei.

Der 56-Jährige zeigte sich zugleich erfreut, dass die beiden großen Kirchen den Wunsch hätten, diese Bauten weitmöglichst auch künftig kirchlich oder kulturell zu nutzen. Ohne private Investoren sei die Erhaltung indes nicht zu meistern, "aber auch für sie gilt es, mit den Kirchen zusammen Rahmenbedingungen zu entwickeln". Überschritten sei eine Grenze, wenn eine Klinik "in ein Kloster einzieht, im Erdgeschoss einen Wellnessbereich einrichtet, die Mauern aufbricht und einen Golfplatz im historischen Garten projektiert".

Schade sei auch, wenn, wie etwa in Kloster Wessobrunn, ein herausragender Ort durch Privatisierung der Öffentlichkeit entzogen werde, meinte der Generalkonservator. Für 2018 kündigte er eine große Veranstaltung seines Hauses mit den Kirchen "zur Um- und Weiternutzung kirchlicher Bauten" an.

KNA

Heiliger des Tages

Umfragen

Bistum Augsburg

Service

Info-Links