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Experten pochen auf Hilfsangebote für suizidgefährdete Menschen

Experten sehen den Bedarf an Hilfsangeboten für suizidgefährdete Menschen nicht ausreichend gedeckt. „In Deutschland stehen bis zu 90 Prozent der Suizide in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung, für die es effektive Therapien gibt“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Arno Deister, am Donnerstag in Berlin.

Derzeit würden aber beispielsweise 18 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen in Deutschland nicht behandelt.

Zudem gelte es, das Wissen über Suizid und psychische Erkrankungen im Gesundheitswesen und in der Bevölkerung zu fördern, forderte Deister. „Den meisten Suiziden gehen Warnsignale voraus. Je besser diese erkannt werden, desto früher kann man die Betroffenen dazu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Um so wichtiger sei es, dass niedrigschwellige Unterstützung flächendeckend bereitstehe. Auch die Forschung zu den Ursachen von Suizid müsse verstärkt werden. Deister: „Suizidprävention kann nur gelingen, wenn ihr Politik, Wissenschaft und Gesellschaft höchste Priorität beimessen.“

Die Leiterin der Krisenbegleitung der Duisburger Telefonseelsorge, Rosemarie Schettler, warnte ebenfalls vor einem Abbau von Beratungsstellen. Die Zahl der Suizide könne wieder steigen, wenn Betroffene „nicht mehr so schnell Unterstützung finden“. Niedrigschwellige Hilfen wie Sozialdienste in Krankenhäusern würden jedoch in vielen Fällen abgebaut.

10.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Suizid. In den 1980er Jahren war diese Zahl mit rund 20.000 noch doppelt so hoch. Die Halbierung sei auch dadurch ermöglicht worden, „dass es mehr psychosoziale Angebote gegeben hat“, so Schettler.

Weltweit liegt die jährliche Zahl von Suiziden bei 800.000. Der Welttag der Suizidprävention, der am Sonntag stattfindet, soll dafür seit 2004 sensibilisieren. Das diesjährige Motto lautet „Nimm dir Zeit, sprich an, hör zu - gib Hoffnung“.

KNA

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