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Gen-Schere erstmals an Embryonen in USA getestet

Ein internationales Forscherteam hat erstmals auch in den USA an menschlichen Embryonen die Gen-Schere "CRISPR/Cas" angewendet und damit die Keimbahn verändert. Das berichtet die Zeitschrift "Nature" am Mittwochabend. Die Embryonen waren eigens zu Forschungszwecken in vitro durch künstliche Befruchtung hergestellt worden. An ihnen sei der Nachweis erbracht worden, dass es möglich sei, einen genetischen Fehler einer dominanten Erbkrankheit schon zum Zeitpunkt der Befruchtung zu korrigieren, hieß es. Dabei ging es um eine erblich bedingte Herzmuskelschwäche.

Deutsche Wissenschaftler reagierten unterschiedlich auf den Bericht. Eingriffe in die Keimbahn gelten vielfach als Tabu. Denn dabei werden Gene verändert, die an alle Nachkommen vererbt werden. Bei den Experimenten der US-Forscher sei dies nicht der Fall gewesen, hieß es in der Zeitschrift, denn die verwendeten Embryonen durften nicht in eine Gebärmutter eingesetzt werden.
Die Experimente wurden an der Universität in Portland durchgeführt. Zuvor hatte es ähnliche Experimente bereits in China gegeben. Bislang galten gezielte Eingriffe ins menschliche Erbgut als technisch schwer machbar. Dagegen wird CRISPR/Cas immer wieder mit einer "Hochpräzisions-Schere" verglichen: Gene oder kleinste DNA-Bausteine können mit Hilfe zelleigener Enzyme eingefügt, verändert oder ausgeschaltet werden. Kritiker befürchten, dass die Methode das Tor zur Menschenzüchtung öffnet.
Heftige Kritik kam von der Vorsitzenden des Europäischen Ethikrates (EGE), der Kölner Medizinerin Christiane Woopen. "Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel für gesellschaftsvergessene Forschung", erklärte sie. Wie selbstverständlich gingen die Forscher davon aus, dass die Methode, ausreichend sicher und effektiv, in der Fortpflanzungsmedizin angewendet werden sollte. Dabei werde ausgeblendet, dass es letztlich um eine Menschheitsfrage und Menschenrechte gehe.
Auch der evangelische Erlanger Theologe Peter Dabrock warnte, es sei ethisch verwerflich, wie unter Abblendung weiterhin ungelöster biologischer Risiken der Eindruck erweckt werde, "wir könnten, ja sollten, bald Keimbahninterventionen vornehmen". "Nur um die Ersten zu sein – diesmal nicht auf dem Mond, sondern bei der Keimbahn-Manipulation –, scheinen Labore nicht mehr nur in China, sondern auch in den USA oder in England keine Grenze mehr zu kennen", schreibt Dabrock, der Vorsitzender des Deutschen Ethikrats ist, aber seine Privatmeinung bekundete. "Sie scheinen bereit zu sein, schwerste Gesundheitsrisiken für spätere Menschen in Kauf zu nehmen."
Der Leiter der Forschungsgruppe Immunregulation und Krebs beim Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin, Klaus Rajewsky, erklärte, es handele sich nicht um einen wirklichen Durchbruch. Zwar hätten die Versuche in rund 72 Prozent zu intakten Embryonen geführt. "Dafür aber erkauft man sich in den verbleibenden fast 28 Prozent der Embryonen Reparatur-Defekte."
James Adjaye, Direktor des Instituts für Stammzellforschung und Regenerative Medizin an der Uniklinik Düsseldorf, erklärte, es gebe wichtige Erkenntnisse für die Grundlagenforschung. Unerwartet sei etwa, dass sich die DNA-Reparatur-Mechanismen im frühen Embryo offenkundig unterschieden von denen anderer Zellen.

KNA

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