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Kirche kritisiert Polizeigewalt gegen Flüchtlinge in Rom

Vertreter der katholischen Kirche in Rom haben die gewaltsame Räumung eines von Flüchtlingen besetzten Hauses kritisiert. Die Polizeiaktion sei "gewiss keine angemessene Lösung", sagte der für Migrationsfragen zuständige Weihbischof Paolo Lojudice.

Am Donnerstagmorgen hatten Beamte die letzten Bewohner eines leerstehenden Bürogebäudes beim Hauptbahnhof und vor dem Haus kampierende Flüchtlinge vertrieben. Dieses Vorgehen führe zu nichts, solange es keine konkreten Lösungen gebe, sagte Lojudice dem bischöflichen Pressedienst SIR.

Am Donnerstag war die seit Tagen angespannte Lage auf der Piazza Indipendenza eskaliert. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Flüchtlinge vor, nachdem sie nach eigenen Angaben mit Flaschen, Steinen und Gasflaschen beworfen worden war. "Ärzte ohne Grenzen" teilte mit, bei der Aktion seien mindestens 13 Flüchtlinge verletzt worden. Zum Zeitpunkt der Räumung habe nicht einmal ein Ambulanzwagen bereitgestanden, kritisierte die Organisation.

Auch der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Rom warf den Behörden ein planloses und unangemessenes Handeln vor. Es sei absehbar gewesen, "dass nach Tagen der Spannung die Situation eskalieren würde und es zum Einsatz von Gewalt gegen hilflose und aufgebrachte Menschen kommen würde", erklärte der Jesuit Camillo Ripamonti, Leiter des Flüchtlingsdienstes in Rom. Weder habe die Stadt Sozialarbeiter zur Vermittlung eingesetzt noch Alternativlösungen für die Flüchtlinge angeboten.

Am vergangenen Samstag hatten Ordnungskräfte ein ehemaliges Bürohaus geräumt, in dem seit vier Jahren Flüchtlingsfamilien lebten. Italienische Medien korrigierten deren Zahl zuletzt auf 400 nach unten; vorher war von rund 1.000 Personen die Rede. Nach Angaben der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio handelte es sich um eritreische Familien, deren Mitglieder fast ausnahmslos einen Flüchtlingsstatus besaßen.

Rund 100 von ihnen kampierten seit dem Wochenende auf der Piazza Indipendenza vor ihrer ehemaligen Unterkunft. Andere suchten in der Vorhalle der Kirche Santi Apostoli in der römischen Altstadt Zuflucht. Mehrere Dutzend Personen, unter ihnen angeblich auch Kinder und hilfsbedürftige alte Menschen, blieben bis Donnerstagmorgen in dem besetzten Gebäude.

Am Mittwoch verlangten Vertreter von Innenministerium, Region und Stadt sowie von Polizei und Ordnungsamt nach einer Krisensitzung vom Verwalter des betreffenden Gebäudes die Bereitstellung von Ersatzwohnungen, anscheinend jedoch ohne sofortigen Erfolg. Die durch den Polizeieinsatz am Donnerstag vertriebenen Flüchtlinge zerstreuten sich laut italienischen Medien teils in die umliegenden Straßen. Vor dem Hauptbahnhof Termini kam es anschließend erneut zu Auseinandersetzungen mit Ordnungskräften.

KNA

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