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Kirchen starten "Woche für das Leben" zu Kinderwunsch und Ethik

Mit aktuellen ethischen Fragen rund um das Thema Kinderwunsch haben die beiden großen Kirchen in Deutschland ihre bundesweite "Woche für das Leben" eröffnet. Bei einem ökumenischen Gottesdienst am Wochenende in Kassel warnten die Spitzenvertreter der Kirchen davor, ethische Grenzen zu überschreiten und menschliches Leben als Ware zu begreifen.

Angesichts großer Versuchungen durch die neuesten technischen Möglichkeiten dürfe man "nicht einfach Kinder machen nach seinen eigenen Bildern und Wünschen", sagte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, nach dem Gottesdienst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gelte, der technischen Machbarkeit nicht blind zu vertrauen und daran zu erinnern, dass Kinder vor allem ein Geschenk seien.
Marx warnte im Eröffnungsgottesdienst vor ethisch bedenklichen Handlungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Unter anderem nannte er Präimplantationsdiagnostiken, in deren Folge Embryonen "aussortiert, wissenschaftlich verzweckt und schließlich vernichtet werden und die sich verbieten".
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wies in seiner Predigt darauf hin, dass mit den modernen medizintechnischen Entwicklungen eine tiefe Ambivalenz verbunden sei. Unter anderen nannte er "die schleichende Verfügbarmachung des Lebens" und die "Verbindung von Biotechnologie mit der modernen Konsumkultur".
Die meisten Menschen, die sich etwa auf Internetseiten internationaler Kliniken anhand der Profile der Spenderinnen gewünschte Eizellen für eine künstliche Befruchtung auswählten, hätten eine Leidensgeschichte ersehnter Elternschaft hinter sich, so der Kirchenmann. Trotzdem müssten hier Grenzen geachtet werden.
Ein Umgang mit menschlichem Leben als Ware widerspreche einer Sozialkultur, in deren Zentrum die Würde des Menschen stehe. Und diese schließe jede Instrumentalisierung und Ökonomisierung aus, unterstrich der Ratsvorsitzende: "Es hat seine guten Gründe, dass das deutsche Embryonenschutzgesetz gegenüber der Verzweckung menschlichen Lebens eine klare Sperre einbaut."
Unter dem Motto "Kinderwunsch - Wunschkind - Designerbaby" will sich die Aktion der katholischen und evangelischen Kirche bis zum 6. Mai in mehr als 1.000 Veranstaltungen bundesweit "mit den Wünschen nach einer sorgenfreien Schwangerschaft, einer glücklichen Geburt, einem gesunden Kind und einem guten Heranwachsen des Kindes" auseinandersetzen. Im Fokus stehen auch die Debatte über eine Liberalisierung des deutschen Embryonenschutzgesetzes und die damit verbundenen ethischen Herausforderungen.
Den Gottesdienst feierten auch Bischof Martin Hein von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der katholische Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen mit. Erstmals gehörte auch ein Schülertag zum Eröffnungsprogramm. Dabei setzten sich mehr als 100 Schüler in Workshops mit dem aktuellen Jahresthema auseinander.
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sprach sich für deutliche Grenzen in der Fortpflanzungsmedizin aus. Sie forderte am Samstag in München, in einem Gesetz zur Verfügung stehende Methoden zu regeln.

KNA

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