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Politik statt Priesteramt - Pfarrer aus Rom kandidiert bei Wahl

Eine ungewöhnliche Kandidatur für eine Stadtbezirkswahl sorgt derzeit in Rom für Wirbel: Don Francesco De Donno (71), seit 36 Jahren Pfarrvikar in Ostia, will sich als Bezirksleiter zur Wahl stellen. Die Ankündigung löste Diskussionen aus, weil das Priesteramt laut dem Kirchenrecht nicht mit politischen Aktivitäten vereinbar ist.

Er habe entschieden, seine geistlichen Aufgaben zeitweise ruhen zu lassen, sobald die Kandidatur rechtlich bindend sei, sagte De Donno am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gespräche mit dem Generalvikar von Rom, Weihbischof Angelo De Donatis, liefen. Das Vikariat war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

"Bisher ist nur meine Tätigkeit als Pfarrvikar in der Kirche von Santa Monica unterbrochen, später wird dies auch für sämtliche geistlichen Aktivitäten gelten", erklärte De Donno. Durch die Arbeit in der Pfarrei und für die örtliche Caritas kennt er laut eigener Aussage seinen Bezirk und dessen Schwierigkeiten.

Das "Municipio X", der römische Küstenbezirk Ostia, wird seit 2015 wegen Mafia-Infiltration kommissarisch verwaltet. Diese politische Leerstelle wolle er als parteiloser Kandidat einer freien Liste gerne füllen, so De Donno. Mit einer rechtlich verbindlichen Kandidatur rechnet er für Herbst; die Wahl könnte Anfang 2018 erfolgen. Aufgrund der Übergangsverwaltung seien genaue Daten noch nicht absehbar.

Gemäß dem katholischen Kirchenrecht ist es Priestern verboten, "öffentliche Ämter anzunehmen, die eine Teilhabe an der Ausübung weltlicher Gewalt mit sich bringen" (Canon 285 §3 CIC). Eine zeitweilige Suspendierung oder Beurlaubung und spätere Wiederaufnahme der geistlichen Tätigkeiten De Donnos wäre aus Sicht des Kirchenrechtlers Markus Graulich möglich: "Wenn er gewählt wird, sich im Amt auch entsprechend verhält - etwa weiterhin im Zölibat lebt -, dann kann er auch später wieder zurückkehren."

Allein die Ankündigung des Geistlichen, bei der Wahl zum Stadtteilbürgermeister in den Ring zu steigen, sorgt für Diskussion: Als er sich vor einigen Tagen als Pfarrvikar von seiner Gemeinde in Ostia verabschiedete, warf die rechtsextremistische Gruppierung "Casa Pound" De Donno vor, Wahlversammlungen in der Kirche abzuhalten.

Seine Dialogbereitschaft könnte den Geistlichen als Politiker in Schwierigkeiten bringen. Die römische Zeitung "Il Messaggero" berichtete jüngst über eine angebliche "Schock"-Aussage, gemäß der De Donno zum Wohl Ostias auch mit Mafiosi sprechen wolle. Im Gespräch mit der KNA distanziert er sich davon. Es gehe ihm nicht um Dialog mit der Mafia "an sich", sondern darum, die durch sie verursachten Schäden zu verringern. "Ich bin seit zwölf Jahren in der Anti-Mafia-Beratung in Ostia aktiv; selbstverständlich stehe ich nicht auf deren Seite!", betonte er.

Auch die Italienische Bischofskonferenz äußerte sich. De Donnos Kandidatur zeige, dass gut ausgebildete Laien in der Politik fehlten, sagte Bischof Giovanni D'Ercole der Zeitung "La Stampa". Aus seiner Sicht wäre es "richtiger und besser", wenn sich Nichtgeistliche engagierten; so fühle nun ein Priester "verpflichtet, heutzutage unverzeihliche Lücken füllen zu müssen". D'Ercole gab zu bedenken, dass für ein politisches Engagement auch Erfahrung nötig sei. "Anerkennenswerte Absichten sind das eine, das andere sind Auseinandersetzungen mit Tatsachen und der Politik."

KNA

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