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Politik und Kirche zu Geißler: "herausragend" und "streitbar"

Vertreter aus Politik und Kirche haben den verstorbenen CDU-Politiker Heiner Geißler als Vor- und Querdenker gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Dienstag in Berlin, mit dem Tod des langjährigen CDU-Generalsekretärs verliere die Partei eine ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere Spitzenpolitiker äußerten sich betroffen über den Tod des 87-Jährigen. Auch die führenden Repräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche würdigten Geißler als markante Figur des politischen Lebens in Deutschland.

Geißler sei ein "herausragender Christdemokrat" und ein "leidenschaftlicher Verfechter der katholischen Soziallehre" gewesen, so Merkel. "Die Würde jedes einzelnen Menschen stand für ihn im Zentrum seines politischen Denkens und Handelns", so die Kanzlerin. Bis zuletzt sei er ihr ein Ratgeber und eine Stütze gewesen, obwohl sie "wahrlich nicht immer" einer Meinung gewesen seien.

Steinmeier erklärte, Geißlers christliche Überzeugung habe dessen Reden und Handeln geprägt. "Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind." Mit Geißler verliere Deutschland "eine unvergleichliche politische Persönlichkeit, die bis ins hohe Alter gerade auch für junge Menschen Vorbild war".

Ähnlich äußerte sich der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Geißler sei "ein streitbarer Geist und kluger Analytiker" gewesen, dabei aber zugleich "freundlich und liebenswürdig im Wesen".

Geißler war am Dienstagmorgen im pfälzischen Gleisweiler nach schwerer Krankheit zu Hause im Kreis der Familie gestorben, wie sein Sohn Dominik der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.

Das Abitur hatte der in Oberndorf am Neckar geborene Katholik am Jesuiten-Kolleg Sankt Blasien im Schwarzwald abgelegt. Anschließend trat er dem Jesuitenorden für vier Jahre bei. Prägekraft als Vordenker und Modernisierer der Union entwickelte Geißler als Generalsekretär zwischen 1977 und 1989 und als Familien- und Gesundheitsminister von 1982 bis 1985.

Unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Partei führten seit Mitte der 1980er Jahre zu Konflikten und schließlich zum Bruch mit dem Kanzler und Parteivorsitzenden Helmut Kohl.

Auch nach seiner parteipolitischen Laufbahn blieb Geißler in öffentlichen Debatten präsent. So schlichtete er bei Tarifkonflikten und auch im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte Geißler als überzeugten Demokraten und leidenschaftlichen Politiker "mit klaren aber auch streitbaren Positionen". Die Politik in Deutschland habe er lebendig gehalten. "Mit Heiner Geißler, einem großen Kopf, habe ich gerne gestritten", so Marx.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, schrieb auf Facebook über Geißler: "Er hatte wirklich etwas zu sagen. Und selbst da, wo er zuweilen in der Schärfe der Kritik überzog, lohnte es sich immer, über deren Kern nachzudenken."

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) würdigte den Verstorbenen. "Bei Heiner Geißler war Christliches und Politisches untrennbar verbunden", erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Ein bis zuletzt streitbarer und an seinem Glauben letztlich verzweifelnder Geist kommt nun hoffentlich endlich zur Ruhe."

KNA

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