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Sprachwissenschaftler: Wahlprogramme vielfach unverständlich

Die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl sind nach einer Analyse der Universität Stuttgart-Hohenheim nach wie vor für viele Laien unverständlich. Allerdings seien die Programme zur Bundestagswahl 2013 noch unverständlicher gewesen, heißt es in einer am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten Analyse von Kommunikationswissenschaftlern.

Beklagt werden Bandwurmsätze mit bis zu 90 Wörtern (FDP), Wortungetüme wie "Gebärdensprachdolmetschung" (Grüne) oder Fachbegriffe wie "CO2 Carbon Capture and Storage" (Die Linke).

Das längste Wahlprogramm kommt von den Grünen (238 Seiten mit 60.206 Wörtern), das kürzeste von der AfD (74 Seiten mit etwa 16.010 Wörtern). Insgesamt fassen sich die Parteien 2017 deutlich kürzer als 2013 (im Schnitt 37.000 statt 46.000 Wörter).

Mit Hilfe einer Analyse-Software fahndeten die Wissenschaftler um den Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern. Anhand dieser Merkmale bilden sie den "Hohenheimer Verständlichkeitsindex", der von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) reicht.

Im Durchschnitt ist die Verständlichkeit der aktuellen Bundestagswahlprogramme mit 9,1 Punkten im Vergleich zu 2013 gestiegen. Damals lag der Mittelwert bei 7,7 Punkten. "Das ist aber immer noch enttäuschend", sagt Brettschneider. "Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben."

Insgesamt schneidet das Programm von CDU/CSU mit einem Wert von 10,8 (nach 9,9 bei der letzten Wahl) am besten ab. Nur der Bayernplan der CSU ist mit 12,3 formal noch verständlicher. Die Grünen (10,0) sind wie bei der letzten Bundestagswahl auf Rang 2 (damals: 8,4). Auf dem dritten Platz liegt die Linke mit 9,3 (2013: 7,7). Es folgen die FDP (9,1) und die SPD (8,4). Am unverständlichsten ist laut Analyse das Programm der AfD (7,3). "Die vermeintliche Volksnähe, die die AfD für sich beansprucht, pflegt sie in ihrer Sprache jedenfalls überhaupt nicht", stellt Brettschneider fest.

"Alle Parteien könnten verständlicher formulieren", ist der Experte überzeugt. "Das beweisen gelungene Passagen in den Einleitungen und im Schlussteil. Die Themenkapitel sind hingegen das Ergebnis innerparteilicher Expertenrunden. Diesen ist meist gar nicht bewusst, dass die Mehrheit der Wähler ihren Fachjargon nicht versteht."

KNA

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