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1000 Jahre Mering

Viele Düfte der Konfessionen

MERING – Ein ökumenischer Gottesdienst mit Bischof Bertram Meier und Regionalbischof Axel Piper im Badangerpark zählte zu den Höhepunkten der Lichterwelt-Festtage in Mering (Kreis Aichach-Friedberg). Die Marktgemeinde feierte – coronabedingt mit einem Jahr Verspätung – ihr 1000-jähriges Bestehen. In diesem festlichen Rahmen trugen sich der katholische und der evangelische Würdenträger sowie die Ortsgeistlichen in Merings goldenes Buch ein.

„1000 Jahre wie ein Tag“, unter diesem Motto luden die katholische Pfarrei St. Michael mit Pfarrer Florian Markter und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Johannes Pfarrerin Carola Wagner zur ökumenischen Feier nach Mering ein. 1000 Jahre seien eine lange Zeit. Wer aber aus der Perspektive Gottes auf das Leben schaue, weite seinen Blick, hieß es im Einladungsschreiben. Denn für Gott sind „1000 Jahre wie ein Tag“. – So ist im zweiten Petrusbrief zu lesen, der im Mittelpunkt der Festpredigt stand. 

Es könne sehr heilsam sein, den Blickwinkel von unseren Problemen und unserer Welt auf Gott zu lenken und seine Gegenwart mitten in Mering zu entdecken und gestärkt durch Glaube, Hoffnung und Liebe unseren Lebensweg mutig weiterzugehen sagte Bischof Bertram. Er blickte von der großen Bühne in den Park und ließ den Blick über die Stände des dortigen Schmeckfestivals mit seinen zahlreichen Angeboten schweifen. Er nehme zwischen lutherischen Bratwürsten und katholischen Nonnenfürzle vielfältige Gerüche als Düfte der verschiedenen Konfessionen wahr, sagte er. 

Bischof Bertram rief dazu auf, sich in aller Verschiedenheit zu akzeptieren, um sich im übertragenen Sinne weitere 1000 Jahre gut riechen zu können: „Genießt einander, damit ihr euch gegenseitig wertschätzt“, appellierte er an die trotz des unwirtlichen Wetters zahlreich erschienenen Gottesdienstbesucher und erntete dafür Applaus. 

Der Regionalbischof des Kirchenkreises Augsburg und Schwaben Axel Piper räumte ein, gemessen an der 1000-jährigen Geschichte nähmen sich 100 Jahre Protestantismus in Mering eher bescheiden aus. Damals seien die ersten Protestanten aus dem Ries zugezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Heimatvertriebenen, und mittlerweile hätten Menschen von überall her in Mering eine neue Heimat gefunden. Das vertrauensvolle Miteinander zeuge von Offenheit und Integrationskraft und die Ökumene bereichere die Gemeinschaft. Regionalbischof Piper wählte für seinen Eintrag ins goldene Buch eine Stelle aus Jeremia (29,7): „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie!“

Bunte Gemeinschaft 

Ganz im Sinne der Ökumene übernahmen die katholische Chorgemeinschaft Choradi von St. Michael und der St. John‘s-Gospelchor der evangelischen St. Johannesgemeinde die musikalische Gestaltung des ökumenischen Gottesdienstes. Den in der Festpredigt gewünschten Zusammenhalt einer bunten Gemeinschaft erlebten die geistlichen Würdenträger beim Rundgang durch die Festmeile mit drei Bühnen und vielerlei Beiträgen der Vereine und Organisationen aus Mering und Umgebung. Als Gastpräsent erhielten sie ein eigens zum Fest gebrautes Jubiläumsbier aus Weihenstephan, das einen geschichtlichen Bezug zur 1000-Jahr-Feier hat: Im Rahmen einer Landschenkung des Schlosses „Möring“ zu Gunsten des Klosters Weihenstephan im Jahre 1021 wurde Mering erstmals erwähnt. 

In den vergangenen 1000 Jahren erlebte der Ort Höhen und Tiefen, etwa die Niederbrennung 1704 im spanischen Erbfolgekrieg. Er entwickelte sich zur heute drittgrößten Kommune im Wittelsbacher Land. 

Die wegen Corona um ein Jahr verschobenen Festivitäten in Mering gehen noch bis Ende des Jahres weiter, etwa mit der Eröffnung einer Sonderschau „1000 Jahre in zehn Objekten“ am 13. November und dem Erscheinen einer umfangreichen Ortschronik.

Heike John

04.10.2022 - Bistum Augsburg , Jubiläum