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In Andechser Kapelle ausgestellt

Der Elisabeth-Schrein leuchtet

ANDECHS – In der „Schmerz­haften Kapelle“ der Kloster­kirche von Andechs ist derzeit der leuchtende „Elisabeth-Schrein“ zu sehen, ein Werk des Münchner Künstlers Philipp Schönborn. Auch das Brautkleid Elisabeths von Thüringen wird im Kloster aufbewahrt.

Die letzte Station seiner – inzwischen fünfjährigen – Tour macht der Schrein nach Ausstellungen unter anderem in Erfurt, Wien, Bratislava, Marburg, Bamberg und Merseburg nun auf dem Heiligen Berg. Dort ist die Lichtskulptur noch bis 27. November zu sehen.

Ihr Schöpfer Philipp Schönborn, ein Bruder des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn, wurde 1943 in Prag geboren und lebt heute in München. Seit 1990 beschäftigt er sich künstlerisch mit Themen aus Natur, Kunst und Religion und setzt dabei vor allem auf Licht und Farbe. 2014 begann er, sich für das Leben und Wirken Elisabeths von Thüringen zu interessieren. 

Seine Lichtskulptur zeigt oben die Grabplatte mit der Heiligen, die in weißem Schleier und blauem Gewand auf einem Kissen ruht. Am Rand ist zu lesen: Conrad hat dieses Kloster gegründet. Seitlich fassen leuchtend bunte Glasflächen die Kistenform ein. Sie greifen Motive des mittelalterlichen Elisabethfensters aus der Marburger Elisabethkirche auf, die das Leben der ungarischen Königstochter und thüringischen Landgräfin erzählen. Inspiriert vom Vorbild des heiligen Franziskus, fand Elisabeth ihren Platz bei den Menschen in Not.  

Die Kirche ist ihr geweiht

An dieses Wirken der Heiligen möchte Schönborn mit seinem Schrein erinnern – dieser kommt nicht ohne Grund nach Andechs. Die Heilige hat hierher einen engen Bezug: Ihre Mutter war Gertrud von Andechs, ihr Vater König Andreas von Ungarn. Ekbert von Andechs war Elisabeths Onkel. So ist die Wallfahrtskirche – neben St. Nikolaus – auch der heiligen Elisabeth geweiht. 

In der Reliquienkammer des Klosters befindet sich der noch erhaltene Teil des Brautkleids, das Elisabeth 1221 getragen hat, als sie als 14-Jährige in der Eisenacher Georgen­kirche heiratete. Doch ist die Kammer nicht öffentlich zugänglich. Die Feuchtigkeit, die die Besucher einbringen, würde den Reliquien zu sehr zusetzen, erklärt Abt Johannes Eckert. 

Ihm zufolge haben die Reliquien ihre Bedeutung gewandelt. Als es noch keine Zeitungen, kein Fernsehen und Internet gab, seien sie die Medien gewesen, die von den Heiligen und ihren Taten berichteten. Sie seien für die Wallfahrer daher von großer Bedeutung gewesen. Heute seien sie noch Belege der Geschichte, spielten aber in der Wallfahrt nicht mehr die große Rolle wie einst. 

Bis heute zieht der Heilige Berg viele Menschen aus der Region „zwischen Lech, Hohenpeißenberg, Starnberger See und der Stuttgarter Autobahn an“, sagt Abt Johannes. Die Wallfahrt habe auch den weltlichen Bereich der Entwicklung des Klosters bestimmt. So werde in der Brauerei das ganze Jahr über Starkbier gebraut, das als nahrhaftes Getränk von den Wallfahrern getrunken wurde. 

Alfred Schubert

Information:

Am 19. November, dem Gedenktag der heiligen Elisabeth, wird in der Andechser Wallfahrtskirche um elf Uhr ein Gottesdienst gefeiert.