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Seit 40 Jahren ziehen Maskierte im Fasching durch Murnau

Der Tanz der Schellenrührer

MURNAU – Sorgsam wickelt Martin Bergmeister drei geschnitzte Holzmasken aus einem Stück bunten Stoff: „Diese Larven sind mindestens 120 Jahre alt und ein Indiz dafür, dass es bereits im 19. Jahrhundert ein reges Maschkerer-Brauchtum in Murnau am Staffelsee gab.“ Solche Masken kaufte sich damals niemand, um sie als Raumschmuck in die Stube zu hängen: „Die Larven wurden benutzt, getragen und am Aschermittwoch auf dem Speicher versteckt.“

Wie lange es die „Fosenacht“ in Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) gibt, weiß niemand zu sagen. Jedenfalls wird heuer ein kleines Jubiläum gefeiert, denn seit 40 Jahren hüpfen Schellenrührer durch die Marktgemeinde. Bergmeister erklärt: „1978 gab es bei uns einen Faschingszug aller Ortsvereine. Der Holzschnitzer Nikolaus Kölbl hatte die Idee, bei dieser Gelegenheit das alte ‚Schellenrühren‘ neu zu beleben.“ Eine Gruppe von Männern besorgte sich Masken und Kuhschellen.

Faschingszüge gibt es seitdem in Murnau nicht mehr, das Schellenrühren aber ist geblieben. „Das ist das große Plus der Traditionsvereine, dass sie nämlich eine Idee austüfteln und über Jahrzehnte hinweg pflegen“, sagt Anton Steigenberger vom Trachtenverein. Beim Schellenrühren sind allerlei Fosenachts-Narrische dabei, denen das alte Brauchtum am Herzen liegt – die Jugend ebenso wie Senioren.

Mit Larven vor dem Gesicht, Fichtenbögen in den Händen und schweren Kuhschellen auf den Rücken geschnallt hüpft die urige Gruppe im eigentümlichen Rhythmus durch die Straßen. 13 Rührer müssen es sein: ein Vortänzer und je ein Mann für die zwölf Monate.

Schwere Gürtel

„Schellenrühren ist Schwerstarbeit“, verrät Anton Steigenberger. Die Schellengürtel wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm. „Viele klagen über Rückenschmerzen. Polstern kann man nicht, denn die Einlagen würden rutschen.“ Da hilft es nur, den Gurt so eng wie möglich zu zurren, damit die Schellen keinen Spielraum haben. Eng zurren – das gibt mitunter ein böses Erwachen, sagt Bergmeister und schmunzelt: „Es kommt vor, dass sich die Leibesfülle übers Jahr ändert. Manchmal ist es ein richtiges Ziehen, Schieben und Drücken, bis der zu eng gewordene Gurt über dem gewachsenen Bauch geschlossen ist.“ 

Das Schellenrühren beginnt in Murnau am Staffelsee am Faschingssonntag, 11. Februar, um 14 Uhr im Untermarkt und dauert ein paar Stunden. Der Zug führt durch die gesamte Fußgängerzone. Die Schellenrührer sind eine reine Männergruppe. In ihrem Gefolge sind aber auch Frauen und Mädchen zu finden – etwa bei der Maschkerer-
Musik sowie bei den Hexen, die mit ihren Reisigbesen den Winter von den Straßen kehren und die Zuschauer am Straßenrand zum Tanzen auffordern. Günter Bitala

07.02.2018 - Bistum Augsburg