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Künftiger Bischof Bertram steht beim Kamingespräch Rede und Antwort

„Auf Christus konzentrieren“

AUGSBURG – Von der Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre mit dem künftigen Bischof von Augsburg zu unterhalten, machten beim Kamingespräch im Haus St. Ulrich in Augsburg rund 80 Gäste Gebrauch. Trotz seines Zeit- und Termindrucks war Prälat Bertram Meier bereit, über sich und die Akzente, die er als Oberhirte setzen möchte, zu informieren und sich den Fragen der Besucher zu stellen. 

Kaplan Markus Lidel aus Königsbrunn und Pastoralreferentin Julia Spanier übernahmen die Moderation. Diözesanadministrator Meier wurde von den Anwesenden mit Beifall begrüßt. „Mir geht es auch nach meiner Ernennung zum Bischof weiterhin gut, weil ich nicht von mir sagen kann, dass ich zu denen gehöre, die sagen: Bewahre mich vor diesem Amt!“, sagte er. 

Der designierte Bischof ist sich, wie er erläuterte, aber auch dessen bewusst, „dass die aktuellen ‚Hosianna‘-Rufe in vielen Medien auch wieder verstummen werden und hoffentlich nicht einem ‚Kreuzige ihn!‘ weichen werden“. Manches werde er vielleicht ein wenig anders als sein Amtsvorgänger machen, aber grundsätzlich sei es wichtig, auf Kontinuität zu setzen und „auf das viele Positive zu schauen, was in der Diözese – auch dank Bischof Konrad – schon alles da ist“. Ein Bischof dürfe schließlich nicht „wie ein Zahnarzt nach den Löchern suchen“, sondern müsse alles versuchen, um das Evangelium voranzubringen. 

Nach dem Vorbild der „Blauen Couch“ bei Bayern 1 bekam Meier seinen Lebenslauf überreicht, den er selbst vorzulesen und zu kommentieren hatte. Zu erfahren war, dass er sich Namen und Gesichter gut merken könne, eine besondere Wertschätzung für Italien hege, sich zur Weißwurst ein Weizen und abends auch mal ein Glas Wein gönne, dass die Ökumene für ihn ein Herzensthema sei und dass ihm zugetraut werde, auch als Bischof bodenständig und natürlich zu bleiben.

Gerne in die Kirche

 „Was im Lebenslauf über mich gesagt wird, stimmt alles“, stellte der ernannte Bischof schmunzelnd fest.„Allerdings fehlt, dass ich schon als Kind sehr gern in die Kirche gegangen bin.“ Als seine Hauptaufgabe betrachtet Prälat Meier, wie die anschließende Fragerunde verdeutlichte, die Evangelisierung, denn „das Wissen über die Heilige Schrift ist – zurückhaltend formuliert – absolut ausbaufähig“. 

Als Vollmitglied in der Bischofskonferenz wolle er sich dafür stark machen, „dass wir uns auf Christus und das Evangelium konzentrieren“. Bezüglich der Pastoral und der nicht unbegrenzten Belastbarkeit von Seelsorgern forderte er „den Mut zur Lücke, denn ein Pfarrer muss nicht alles machen“. Entlastung für Priester sei wichtig, um diese „in kein Hamsterrad kommen zu lassen“ und Überforderung und Erkrankungen zu vermeiden. 

Gefragt, bei welchem Thema sich die Jugend aus christlicher Position heraus politisch engagieren solle, verwies der künftige Bischof auf die Trennung von Kirche und Staat. „Die Kirche sollte sich eher nicht ins Tagesgeschäft einmischen, aber es geht auch uns an, die freiheitliche, demokratische Grundordnung mitzutragen und zu schützen.“ Umgekehrt solle die Kirche aber auch Politikern, wenn sie etwa das Frauenpriestertum fordern, sagen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ 

Die Bewahrung der Schöpfung sei in jeder Hinsicht ein christliches Thema, dennoch dürfe Ökologie keine Ersatzreligion werden. Die Kirche müsse sich mit ganzer Kraft „für eine Kultur des Lebens und für Religionsfreiheit für alle einsetzen“.

Thomas Niedermair

26.02.2020 - Bistum Augsburg