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Blaulicht-Einsatz

Mit Verbandsset und Bibel

AUGSBURG – Offen, einfühlsam und kompetent – so erlebt man Martin Linder an seiner Wirkungsstätte in Königsbrunn (Kreis Augsburg). Der 42-Jährige ist neuer Leiter der Notfallseelsorge im Bistum Augsburg. Er hat die Nachfolge von Edgar Krumpen angetreten, der – nach 22 Jahren – im September in die Auslandsseelsorge nach Südkorea gegangen ist. 

Linder war bereits seit Anfang 2022 stellvertretender Fachbereichsleiter. Hier hatte er die in den Ruhestand gegangene Stefanie Drewes beerbt. „Edgar Krumpen hinterlässt ein bestens bestelltes Feld“, sagt er. „Aus der gemeinsamen Zeit nehme ich viel mit.“ Richtlinie für ihn bleibt das von seinem Vorgänger geprägte Motto: „Hingehen, da sein, aushalten.“

Unterstützt wird Linder von Pastoralreferentin Sina Pitschen, die das Amt der Stellvertreterin inne-
hat, und von Diözesanreferentin Sabrina Jehle. Pitschen wohnt in Kissing und war bereits zuvor im Leitungsteam der Notfallseelsorge tätig, während Jehle mehrere Jahre als Gemeindereferentin in der Pfarrei Mering wirkte. 

Linder wohnt in Bad Wörishofen und ist Vater von vier Kindern. Als Fachbereichsleiter arbeitet er dort, wo er getauft wurde: in Königsbrunn. Gefragt, welche neuen Akzente er in der Fachbereichsleitung setzen möchte, nennt Linder drei Punkte, die das Team verstärkt in den Fokus nehmen möchte: Achtsamkeit, Seelsorge und Öffentlichkeitsarbeit. 

Die Mitarbeiter der Notfallseelsorge gehen dorthin, wo sie gebraucht werden. Darunter sind Unfall- und Unglücksstellen, Todesfälle, Suizide, Umweltkatastrophen und lebensbedrohliche Lagen. Auch das Überbringen von Todesnachrichten an Angehörige gehört dazu. Auch Linder selbst wird, da er zugleich Leiter der Psychosozialen Notfallversorgung Unterallgäu ist, als Einsatzkraft gerufen, um bei größeren Unglückslagen die Arbeit vor Ort zu leiten. Er betrachtet seine Arbeit in der Notfallseelsorge als „zutiefst diakonischen Dienst“, der auf Christus hin orientiert ist. 

Die Notfallseelsorge arbeitet mit den Richtlinien und Qualitätsstandards der Psychosozialen Notfallversorgung, ist ökumenisch beziehungsweise interreligiös. Entsprechend befinden sich im Notfallrucksack, den die Einsatzkräfte dabei haben, neben einem Verbandsset, einer Decke und einem Teddybär für Kinder auch eine Bibel, Kerzen sowie ein kleines Weihrauch-Set. Auch religiöses Abschiednehmen ist so möglich. 

Die Notfallseelsorge des Bistums Augsburg ist in 14 sogenannte Systeme (Dekanatsgebiete) aufgeteilt, die Linder personell, strukturell und organisatorisch koordiniert. Dabei kooperieren er und sein Team stets eng mit den verschiedenen Blaulichtorganisationen. 

Wie Linder die an Unglücksstellen erlebte und begleitete Leiderfahrung verarbeitet? Ihm helfen lange Spaziergänge und das Stundengebet. Und oft, erzählt er, nehme er die Betroffenen mit in sein persönliches Gebet.

Martin Schmidt

Info: Interessierte, die als Notfallseelsorger arbeiten möchten, können einen Ausbildungskurs zur Grundqualifizierung absolvieren. Start ist am 27. Januar 2023 in Kempten. Anmeldung bis 1. Dezember, Telefon 0 82 31/96 51 24, www.notfallseelsorge-augsburg.de.

30.10.2022 - Bistum Augsburg