Prayerfestival in Marienfried

Weihbischof Wörner hofft auf „Klimawandel der Herzen“

PFAFFENHOFEN – Wenn 250 ausnahmslos ehrenamtliche Helfer etwa 4500 Quadratmeter Zeltfläche verbauen, um beispielsweise im Hauptzelt Platz für 1400 zumeist jugendliche Gottesdienstbesucher zu schaffen, dann steht das Internationale Prayerfestival der Jugend 2000 vor der Tür.

 Zum siebten Mal fand die Veranstaltung der 1990 gegründeten katholischen Bewegung in der Gebetsstätte Marienfried bei Pfaffenhofen an der Roth statt. Unter dem Motto „Fiat mihi secundum verbum tuum – Mir geschehe nach Deinem Wort“ boten sich den über 2000 jungen Teilnehmern und Besuchern an fünf Tagen vielfältige Möglichkeiten, sich intensiv mit dem eigenen Glauben zu befassen und wie Maria der Frohen Botschaft mit einem mutigen „Ja“ zu begegnen.

„Mich fasziniert hier ganz besonders die herzliche Atmosphäre und die Tatsache, dass fast alles von jungen Leuten gestemmt wird“, meint die 20-jährige Gina aus Obenhausen, die schon mehrmals an Prayerfestivals teilgenommen hat und diesmal auch als Mitarbeiterin im Einsatz ist. Wie sie lobt auch Maria (23) aus Fürstenfeldbruck „das sehr gute Seelsorge-Angebot, den Austausch, die Offenheit, die Gemeinschaft und die Einheit im Glauben“.

Tobias Schlosser (22) aus Maxhütte-Haidhof im Bistum Regensburg kommt „seit einigen Jahren regelmäßig hierher“ und schätzt es, „zu erfahren, dass man im Glauben nicht allein ist“. Und für Jan (22) aus Karls­ruhe „ist es schön, zu sehen, dass hier Jesus im Mittelpunkt steht“.

Aus Vorarlberg kommen die sieben Jahre alte Rebekka und ihre Brüder Paolo und David, die aber wie Luise (11) aus Irndorf und Anna (11) aus Schemmerhofen bei Biberach an der Riss keineswegs zum ersten Mal in Marienfried teilnehmen. Sichtlich Freude bereitet diesem Quintett das Zuschneiden der gelben Jugend-2000-T-Shirts, die sie mit modischen Fransen versehen.

„Für die Betreuung kleiner Kinder gibt es ein eigenes Zelt“, erklärt Larissa Rottach, die zum Organisationsteam gehört und bereits seit 2002 dabei ist. Hauptverantwortlich für das Festival ist Doro Ludwig. Sie erläutert: „Für mich zählen der Einzelsegen für die jugendlichen Teilnehmer und der Kinder- und Familiensegen zu den Höhepunkten; vor vier Monaten bin ich selbst Mutter eines Mädchens geworden.“ 

Aus aller Herren Länder

Leiter von Jugend 2000 in Deutschland ist seit 2016 Florian Schmutz. Junge Leute aus dem In- und Ausland (Österreich, England, Schweiz, Niederlande, USA) sind zum diesjährigen Festival nach Marienfried gekommen, um Gottesdienste zu feiern, den Rosenkranz zu beten und sich in Gebetskreisen, Gesprächsrunden und Arbeitsgruppen wichtigen Alltagsthemen und Fragen der Intensivierung des eigenen Glaubenslebens zu widmen. Geistliche, Ordensleute und andere Ansprechpartner standen hierfür fünf Tage lang zur Verfügung. Um Berufungsfragen etwa ging es beim Workshop „Ganz für Gott leben?“ mit Schwester Mechthild Steiner, die in den Dominikanerorden eingetreten ist und im Kloster Wettenhausen lebt. Einen kritischen Streifzug durch die aktuelle Medienlandschaft mit ihrer nicht selten festzustellenden Vermischung von objektiver Nachricht und persönlicher Meinung ermöglichte der Journalist Klaus Kelle, der „Fake News und journalistisches Ethos“ miteinander verglich.

Besonders großes Interesse rief das Thema „Christentum und Islam“ hervor. Referent Stefan Ullrich vom Institut St. Justinus in Mariazell verglich das Leben Jesu des nach christlichem Verständnis menschgewordenen Gottes  mit der Vita Mohammeds, der durch die Heirat mit einer älteren Witwe Wohlstand und durch Kriege weltliche Machtfülle erlangte. Da der Koran „als von Allah selbst diktiertes Wort gilt“, gebe es im Islam anders als im Christentum keine historisch-kritische Exegese der für Muslime heiligen Schrift.

Im großen Zelt, wo das Allerheiligste fünf Tage und Nächte lang verehrt werden konnte, wurde täglich die Heilige Messe gefeiert, wozu die Jugend-2000-Band stimmige musikalische Gestaltung beisteuerte. Am Pontifikalamt mit den Weihbischöfen Florian Wörner und Marian Eleganti, die beide seit vielen Jahren mit der Jugend 2000 und dem Prayerfestival verbunden sind, sowie vielen weiteren Geistlichen nahmen etwa 1400 Gläubige teil. „Hier in Marienfried geht es um den Klimawandel der Herzen, damit Jesus Einzug halten kann bei uns“, betonte Bischof Wörner in seiner Predigt. Er verwies auf drei Worte, die beim Letzten Abendmahl Jesu bedeutsam waren, nämlich das „Nehmen“, das „Brechen“ und das „Geben“.

Weil Jesus das Brot genommen habe, „sind wir von Gott angenommen und geliebt“. Weil er es gebrochen habe, um es zu teilen, „müssen wir mit unseren schlechten Gewohnheiten brechen, damit wir zum Evangelium hin aufbrechen können“. Und weil Jesus gegeben habe und „weil Gott der Geber schlechthin ist“, sei es entscheidend, wie Maria ein „Fiat“, ein klares „Ja“, zur Frohen Botschaft zu sagen. Am Fest des heiligen Märtyrers Laurentius, der während der grausamen Christenverfolgung unter Kaiser Valerian (258 n. Chr.) „auf dem Feuerrost sein Leben hingab“, forderte der Weihbischof die jungen Gläubigen auf, „etwas von dem Feuer und der Leidenschaft für Gott, wie sie bei diesem beeindruckenden Festival spürbar sind, auch in den Alltag hineinzutragen“. Thomas Niedermair