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Viel gebetet in ihrem 50-jährigen Ordensleben

Geheimnisvolle Kraft

AUGSBURG – Für die Franziskanerinnen von Maria Stern in Augsburg war der Samstag vor dem 5. Sonntag der Osterzeit ein ganz besonderer Tag. Zwei Mitschwestern begingen das 50. Jubiläum ihrer Profess. In der Klosterkirche des Mutterhauses in der Augsburger Sterngasse erneuerten sie ihr Gelübde und feierten mit Dekan Pfarrer Helmut Haug den Festgottesdienst. 

Zelebrant Haug sagte in seiner Festpredigt, die beiden Schwestern feierten ihre Professjubiläen nicht losgelöst von der aktuellen Zeit, auch wenn Freude und Dankbarkeit zum Festtag vorherrschten. Viele Fragen seien offen in der Gesellschaft und auch in der Kirche: „Wie geht es für die Ordensleute und die Ordensgemeinschaften weiter?“

Vor zwei Wochen habe er sich auf Exerzitien in ein südfranzösisches Trappistenkloster begeben und viele Gedanken aus der Zeit zu Fragen des geistlichen Lebens sowie zum Festtag der Profess mitgenommen. Dort habe er Zeit zum Nachdenken gehabt. Haug  zitierte den Mystiker und Trappisten Thomas Merton: „Mönche sind wie Bäume in der Nacht. Wir nehmen sie nicht wahr, denn wir schlafen ja. Sie tun aber etwas für uns: Sie produzieren den Sauerstoff, den wir so dringend brauchen.“ 

Das sei ein wunderbares Bild für das Gebet der Ordensgemeinschaften und der Kirche. Es werde von vielen nicht mehr wahrgenommen, es schaffe aber eine Atmosphäre, in der viele und alle leben könnten. Jede Schwester habe sicher mehr als einen Menschen, dessen sie im Gebet gedächte.

„Ich denke an das viele Beten, ihr Gebet durch 50 Jahre Ordensleben für die Gesellschaft, für die Menschen, die das oft nicht ahnen – es ist eine geheimnisvolle Kraft und  geheimnisvolle Energie, die in unserer verzweckten und kommerzialisierten Welt eben nicht verzweckt und kommerzialisiert werden kann“, sagte der Festprediger. Er dankte den Jubilarinnen für ihr vieles Beten in diesen Jahren. Sie hätten damit auch Lebensenergie für viele Menschen gegeben.

Für die Mitmenschen

Wichtig sei auch das Bleiben. Die Profess­jubilarinnen hätten im franziskanischen Geist in Bescheidenheit in der Beziehung zu ihren Mitmenschen gewirkt. Schwester Carmen lebt im Mutterhaus. Sie wirkt als Altenpflegerin, war bei der Sozialstation Lechhausen als Fami­lienpflegerin acht Jahre lang tätig sowie  im Altenheim St. Clara in Wertingen. Sie sorgt jetzt im Mutterhaus für Schwestern, die Hilfe brauchen.

Schwester Anne ist Krankenschwester von Beruf, war lange in Wertingen im Krankenhaus, Pflegedienstleiterin und Oberin. Nun arbeitet sie im Mädchenwohnheim St. Hildegard am Dom. Zur Erneuerung ihrer Professgelübde hielten die Jubilarinnen brennende Kerzen mit dem Sternsymbol der Kongregation in ihren Händen. Zuvor hatte Pfarrer Haug jeder Schwester ihre entzündete Kerze überreicht, die Kerzen wurden danach auf dem Altar plaziert.

Annette Zoepf

05.06.2022 - Bistum Augsburg , Orden