Anzeige

Ostersonntag im Regensburger Dom

Hoffnung und Erlösung

REGENSBURG (pdr/sm) – „Der Friede sei mit euch, denn groß ist auferstanden der Herr!“, rief Bischof Rudolf Voderholzer zu Beginn Messe am Ostersonntag im Regensburger Dom St. Peter den Gläubigen zu. So wie sie feierten alle Christen auf der ganzen Welt die Auferstehung Jesu Christi. Als Zeichen der Verbundenheit mit der Weltkirche und Rom feierte Bischof Rudolf deswegen das Pontifikalamt am Ostersonntag auf Latein, eine der Lesungen wurde auf Englisch gelesen und die Fürbitten wurden auf Spanisch, Russisch, Tschechisch, Ukrainisch und Deutsch vorgetragen. Nachdem Bischof Rudolf die Osterspeisen gesegnet hatte, erteilte er den zahlreich erschienenen Gläubigen im Dom St. Peter den päpstlichen Segen.

In der Predigt ging Bischof Rudolf zuerst auf die fröhlichen österlichen Lieder und Texte ein. Hier stelle sich die Frage angesichts all der Bedrängnisse, die uns seit Wochen zu schaffen machen: „Können wir das? Dürfen wir das?“ Gerade in diesem Jahr zeige sich deutlicher als sonst, dass da ein gewaltiges Paket an Unerlöstheit die Welt beherrscht und unser Singen und Beten geradezu durchkreuze. „Dies wäre vielleicht der Fall, wenn wir die Aussagen über das Erlöstsein und unsere Rettung als die Behauptung schon vollendeter Tatsachen missverstehen würden“. Aber Christen sei klar, dass das Erlöstsein unter dem Vorzeichen der Hoffnung stehe, in der Spannung zwischen dem „Schon“ und dem „Noch nicht“. Zwischen dem „Schon“ der erwirkten Erlösung durch Christus und dem „Noch nicht“ ihrer endzeitlichen Vollendung an jeder und jedem Einzelnen auf der Welt. Zwischen dem „Schon“ der Auferstehung Jesu und der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel und dem „Noch nicht“ der Auferstehung der Toten und der Erlösung der ganzen Schöpfung. „Natürlich sind wir in der Taufe schon hineingenommen ins neue und unsterbliche Leben“, aber Tod, Hass, Schuld und Unzulänglichkeit bedrängten uns weiterhin. „Wo aber unser Sinnen und Trachten nach oben geht, dorthin, wo unser Leben schon in Christus verborgen ist bei Gott, da können wir das Irdische annehmen und tragen.“

Die drei Lernorte
der Hoffnung

Der emeritierte Papst Benedikt XVI., welcher am Karsamstag seinen 95. Geburtstag feierte, schrieb 2007 die Enzyklika „Spe salvi – Gerettet auf Hoffnung hin“. Sie wurde viel zu wenig beachtet, so Bischof Voderholzer. Ein wichtiger Aspekt darin sind die drei Lernorte der Hoffnung. Der erste Lernort ist das Gebet. Wenn niemand mehr zuhört, mit einem redet oder einem helfen kann, dann ist Gott zur Stelle. „Das Gebet, das sich ganz auf Gott verlässt, wird mich auch von falschen Erwartungen und allzu innerweltlichen Gebetswünschen reinigen.“ 

Der zweite Lernort ist das Tun und Leiden. Wir können das richtige tun für unsere Mitmenschen, die Schöpfung und uns, auch wenn wir oft keinen Erfolg dabei haben. Aus unserem Tun kommt aber die Hoffnung auf die Verheißungen Gottes, die uns Mut macht zum weiteren Handeln. „Wenn wir alles in unserer Macht Stehende getan haben, bleibt ein Überhang des zu Erleidenden“, denn wie Benedikt XVI. schrieb: „Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden.“ Bischof Voderholzer fuhr fort: „Am meisten spricht mich immer wieder die Rede vom Gericht als Lern- und Übungsort der Hoffnung an.“ In dieser Thematik bezieht sich Benedikt XVI. auf den jüdischen Philosophen Theodor Adorno. Damit wirklich Gerechtigkeit sein kann, braucht es Gerechtigkeit für alle und für immer, auch für die Verstorbenen also. Eine Gerechtigkeit, die das vergangene Leiden auch widerruft und gutmacht. Die kann es aber nur mit der Auferstehung der Toten geben. Gott, „der Herr der Geschichte, kann und wird alles richten“, bekräftigte Bischof Voderholzer.

Ein Hoffnungszeichen

„Ich durfte gestern in der Osternacht vier Erwachsene durch Taufe, Firmung und Erstkommunion in die Kirche aufnehmen“, erzählte der Bischof. Unter ihnen sei ein 27-jähriger Mann gewesen, der vorher ein überzeugter Atheist gewesen sei. Durch ein Ereignis habe er begonnen, sich mit der Frage nach dem Sinn zu befassen, und habe entdeckt, dass der christliche Glaube für ihn die beste Antwort sei. „Für mich und für viele ist das ein gewaltiges Hoffnungszeichen“, sagte der Bischof. An Ostern sei es „geradezu lebenswichtig, uns dessen auch feiernd zu vergewissern: Gott ist da, in seinem Entgegenkommen als Jesus Christus und seiner Auferstehung als die Vollendung, die uns allen verheißen ist“.

20.04.2022 - Bistum Regensburg