Christfest unter Kokospalmen (Samstag, 23. Dezember 2017 12:00:00) / Im Blickpunkt / Neue Bildpost

Brasiliens Weihnachtsstadt Natal

Christfest unter Kokospalmen

Weihnachten an der Atlantikküste im nordöstlichen Zipfel Brasi­liens: Frieren braucht hier niemand. An Heiligabend wird das Thermometer in der Weihnachtsstadt Natal bei einer sanften Brise vom Meer wohl wieder um die 26 Grad Celsius anzeigen – wie an jedem anderen Abend in dieser Jahreszeit.

Im Tourismusprospekt steht: Der Himmel über Natal ist der blaueste in ganz Brasilien. Nirgendwo sonst soll das Meer grüner, das Wasser wärmer, der Sand weißer und die Brise, die vom Atlantik her weht, erfrischender sein. Die Luft hier ist – gemäß einer Studie der US-Weltraumbehörde Nasa – die reinste auf dem ganzen amerikanischen Doppelkontinent. Natal empfiehlt sich als „Cidade do Sol“ (Sonnenstadt)und verspricht nahezu 300 Sonnentage pro Jahr.

Begeistert von dieser Küste zeigte sich bereits der Entdecker Amerigo Vespucci. Der Italiener war nach stürmischer Irrfahrt 1501 nördlich des Rio Grande do Norte gelandet. Später schrieb er: „Welch ein gesegnetes Land! Falls es ein Paradies auf Erden gibt, kann es nicht weit von hier sein. Die Bäume bedürfen keiner Pflege und geben Früchte im Überfluss, das Meer ist voller Fische und die Erde unglaublich fruchtbar und strotzend vor wohlschmeckenden, unbekannten Gewächsen.“

Heute ist Natal Hauptstadt des Bundesstaats Rio Grande do Norte. In dem Ballungsraum leben mehr als eine Million Einwohner. Ihren Namen vom portugiesischen Wort für Weihnachten hat der Ort durch sein Gründungsdatum erhalten: Vor 420 Jahren gab der Administrator der portugiesischen Kolonie, Jerônimo de Albuquerque Maranhão, den Auftrag, am Atlantik eine Festung zu bauen. Als das „Forte dos Reis Magos“ errichtet war, erfolgte die Stadtgründung der „Cidade de Natal“ – am 25. Dezember 1599. 

Holländische und französische Eroberer machten den Portugiesen den Küstenstreifen streitig. 200 Jahre lang dämmerte das Städtchen als kleiner, von der Welt fast vergessener Marktflecken dahin. Als der englische Reiseschriftsteller Henry Koster im Jahre 1810 hierherkam, fand er einen Ort mit kaum mehr als 600 Einwohnern vor, der im Treibsand der Dünen beinahe zu versinken drohte. Dann aber wuchs die Ansiedlung stetig – in den vergangenen Jahrzehnten beinahe explosionsartig – und wurde zur Großstadt.

Die Stadtväter wissen, wie sie dem Ruf einer Weihnachtsmetropole gerecht werden: Schon früh im November wird in allen Neonfarben leuchtende und blinkende Weihnachtsdekoration zwischen Ko­kos-palmen und an Masten aufgehängt. In diesem Jahr will sich Bürgermeister Carlos Eduardo Alves die weihnächtliche Farbenpracht zwei Millionen Reais – mehr als eine halbe Million Euro – kosten lassen. Seit Mitte des Monats gehen allabendliche Konzerte und temperamentvolle Krippenspiele über die (Freilicht-)Bühne – unentgeltlich für alle. 

Weihnachten am Strand

Wie im ganzen Nord­osten des Landes, so herrschen auch in jener Stadt, die sich das ganze Jahr über „Weihnachten“ nennt, zur Zeit des Christfests tropische Sommertemperaturen. Stille und Besinnlichkeit sind angesichts dessen kaum angesagt. Die Menschen hier finden, die Weihnachtstage seien dazu da, mit der Familie an den Strand und zum Baden zu gehen, zum Fußballspielen oder für den Grillspaß mit Freunden bei lauter Forró-Musik und eiskaltem Bier.

An Heiligabend wird gerne ge­rösteter Truthahn mit Reis und Früchten getafelt. Bei den weniger Betuchten kommen Hähnchen mit Farofa, geröstetem Maniokmehl, auf den Tisch. Die Erwachsenen sagen, das Schönste an Weihnachten sei die Christmette mit ihren feierlichen Chorälen. 

Die Kinder in Natal dagegen sind überzeugt, dass der „Papai Noel“, welcher hierzulande die Geschenke bringen soll, mit seinem Schlitten vom fernen Nordpol zu ihnen gedüst kommt. Und nicht zuletzt träumen sie von verschneiten Tannen und weißen Winternächten, wie sie während der Festtage im Fersehen zu bestaunen sind.

Karl Horat