Heilige Corona, hilf! (Dienstag, 17. März 2020 16:03:00) / Im Blickpunkt / Neue Bildpost

Weltweite Pandemie

Heilige Corona, hilf!

Die Angst vor dem Coronavirus lähmt Deutschland und die Welt. Was die wenigsten wissen: „Corona“ ist nicht nur die Bezeichnung für einen gefährlichen Erreger, es ist auch der Name einer frühchristlichen Heiligen. Die weitgehend unbekannte Märtyrerin gilt auch noch ausgerechnet als himmlische Helferin gegen Seuchen! 

„Müder Wanderer stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast.“ Wer zu Fuß oder per Fahrrad vor den südlichen Toren Münchens unterwegs ist, mag sich beim Anblick dieser Zeilen noch vor wenigen Monaten überhaupt nichts gedacht haben. Heute sieht die Sache anders aus.

Verwundert reibt man sich die Augen. Sankt Corona? Ist das ein schlechter Scherz? Corona kennt heute jeder nur als Bezeichnung für das Virus, das erstmals in China Menschen befiel und die neuartige Atemwegserkrankung Covid-19 auslöst. Rund um die Uhr berichten Medien von neuen Infektionen, neuen Todesfällen, neuen Maßnahmen gegen die Pandemie. Und dann das! Der Text steht auf einer Außenwand einer kleinen Kapelle aus dem 19. Jahrhundert, die idyllisch mitten im Wald bei Sauerlach liegt.

Reliquien in Aachen

Gewidmet ist das kleine Gottes-haus tatsächlich der heiligen Corona, einer Märtyrerin aus dem zweiten Jahrhundert. Vor allem in Bayern und Österreich wurde sie verehrt, weiß Helmut Berthold. Der 79-Jährige ist Chronist von Arget, einem kleinen Dorf, das heute zu Sauerlach gehört. Reliquien der Märtyrerin sollen einst von Otto III. nach Aachen und Karl IV. nach Prag gebracht worden sein. In Niederösterreich gibt es sogar zwei Orte namens Sankt Corona.

Im Bistum Passau erinnern zwei Kirchen an die Heilige. 1641 wurde nordwestlich der Altstadt Passaus ein Gotteshaus nach ihr benannt. In der Endzeit des Dreißigjährigen Kriegs stand sie im Ruf einer Hüterin verborgener Schätze und Gebieterin böser Geister, informiert der Pfarrverband Hacklberg auf seiner Internetseite über die Kirche St. Korona. Die frühbarocke Wallfahrtskirche Handlab im Landkreis Deggendorf ist ihr ebenfalls geweiht – gemeinsam mit der Himmelskönigin Maria.

Wie aber kam Sankt Corona nach Oberbayern? Dazu gibt es rätselhafte Überlieferungen. Demnach hat sich der Platz quasi von sich aus angeboten für den Bau einer Kapelle. 1599 nämlich fand ein Ehepaar dort ein nicht näher beschriebenes Holzbild und nahm es mit zu sich nach Hause. Auf wundersame Weise gelangte es immer wieder zurück an den Fundort. 1648 wurde mit dem Bau des Kirchleins begonnen, die Weihe folgte 1672. Dreimal im Jahr wurde nun Gottesdienst gefeiert.

Die Leidensgeschichte der Heiligen klingt furchtbar: Als 16-Jährige musste sie zusehen, wie ihr Ehemann, der Soldat Victor von Siena, seines Glaubens wegen umgebracht wurde. Sie selbst wurde gleichfalls zum Tode verurteilt und zwischen zwei Palmen festgebunden. Als diese auseinanderschnellten, riss es ihren Körper in Stücke. Um 175 nach Christus soll das gewesen sein. Als Ort der Hinrichtung wird Syrien oder Ägypten vermutet.

Helferin gegen Seuchen

Dargestellt wird Corona mit Palmen oder – ihrem lateinischen Namen gemäß – mit Krone. Angerufen wird sie, wenn es ums Geld geht: von Anlegern, Glücksspielern und Schatzgräbern. Auch dem Fleischerhandwerk dient sie als Patronin. Bei Zahnschmerzen soll ihre Fürsprache ebenfalls helfen. Angesichts der Pandemie besonders wichtig: Das Ökumenische Heiligenlexikon weist sie als Helferin gegen Seuchen aus.

Kapelle – Schweinestall – Kapelle

In Arget uferte die Corona-Verehrung aus. Der Pfarrer notierte: „Die Jungen trinken, tanzen und springen, raufen und schlagen.“ 1807 hatte er genug und ließ die Kapelle abbrechen. Die Steine riss sich der Wirt von Arget unter den Nagel und errichtete damit einen Schweinestall. Die Zucht soll aber unter keinem guten Stern gestanden haben, entnimmt Dorfchronist Bert-hold den Aufzeichnungen, so dass er es bald wieder sein ließ und die Steine für den Wiederaufbau der Kapelle zur Verfügung stellte.

Dieser begann um 1820. Komplett renoviert wurde die Kapelle zuletzt 1986. Gelegentlich finden noch Maiandachten dort statt, ist doch das Fest der Märtyrerin am 14. Mai. Wer vorbeikommt, kann durch ein Fenster einen Blick ins Innere wagen. Dort sieht er einen einfachen Holzaltar mit Abbildungen der Märtyrerin.

Zuletzt ließen die Bittgänge zur heiligen Corona nach und sie geriet selbst in der näheren Umgebung großteils in Vergessenheit. Wer weiß: Vielleicht ändert sich das in diesen bewegten Zeiten ja bald. Not soll ja beten lehren.

Barbara Just

17.03.2020 - Corona , Heilige , Historisches