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Zum 75. Geburtstag von José Carreras

Mit Musik gegen den Krebs

Bei den „Drei Tenören“ war er der dritte Mann neben Luciano Pavarotti und Plácido Domingo, und der Jüngste im Bunde: der Katalane José Carreras mit dem Auftreten eines Edelmannes, nicht ganz so extrovertiert wie seine Kollegen, aber ebenso gesegnet mit einer unverwechselbaren Stimme. Neben seiner Gesangskarriere verfolgt er mit ebenso großer Leidenschaft eine medizinisch-soziale Mission: den Kampf gegen Krebs.

Der Ausnahmekünstler wurde am 5. Dezember 1946 in einem Arbeiterviertel Barcelonas geboren: Auf Katalanisch lautet sein Taufname Josep Maria Carreras i Coll. Mit sechs Jahren sah Josep eine Caruso-Filmbiografie mit Mario Lanza und begann wie selbstverständlich die Arien darin nachzusingen, vor allem „La donna é mobile“. Auf Drängen seines Opas, eines Amateurbaritons, durfte er Musikunterricht nehmen, besuchte bereits mit acht Jahren das ­Konservatorium. Um etwas „Anständiges“ zu lernen, begann Josep ein Chemiestudium, gab dies aber 1964 zugunsten einer professionellen Gesangsausbildung auf. 

Aus Josep wurde José

1970 gab er in Barcelona sein Tenordebüt in Bellinis Norma als Nebenrolle, doch er erregte die Aufmerksamkeit von Montserrat Caballé: Die Diva wurde zur wichtigsten Förderin seiner Karriere. Einer Karriere, die in Franco-Spanien jedoch nur unter einem spanischen Namen stattfinden durfte – also wurde aus Josep ein José. 1975 debütierte Carreras an der Scala und wurde zum Stammgast an der Wiener Staatsoper. Er sang in New York, Chicago, Buenos Aires und entwickelte eine intensive Zusammen­arbeit mit Karajan. 

Eine Knochenmarkspende rettete sein Leben

Doch 1987, während der Dreharbeiten zu einer Opernverfilmung, erhielt der Tenor eine niederschmetternde Diagnose: akute lymphatische Leukämie – Überlebenschance zehn Prozent. Eine Knochenmarktransplantation am Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrum Seattle rettete sein Leben. Aus Dankbarkeit und sozialer Verantwortung gründete Carreras 1988 die Fundación Internacional José Carreras para la lucha contra la leucemia mit Sitz in Barcelona. 1995 folgte die Deutsche José ­Carreras Leukämie-Stiftung e.V., die jedes Jahr in einer TV-Gala um Spenden für Forschung und Selbsthilfegruppen wirbt. In den letzten 20 Jahren konnten rund 200 Millionen Euro gesammelt werden.

Wie durch ein Wunder zurück auf der Bühne

Wie durch ein Wunder konnte Carreras schon 1988 wieder auf die Bühne zurückkehren, in Barcelona gefeiert von 150 000 Fans. Quasi als Willkommensgeschenk seiner (eigentlich untereinander rivalisierenden) Kollegen Domingo und Pavarotti wurde anlässlich der Fußball-WM das Jahrhundertkonzert in Roms Caracalla-Thermen organisiert. Es war der Beginn einer sagenhaft erfolgreichen Partnerschaft der „Drei Tenöre“, übrigens allesamt Fußball-Fans: Carreras ist seit Jahrzehnten Mitglied des FC Barcelona, stimmte sogar immer wieder in die Fangesänge im Stadion ein. 

2009 wollte sich der Tenor von der Opernbühne zurückziehen, kehrte jedoch 2014 für die ihm auf den Leib geschriebenen Titelrolle der Neukomposition El Juez zurück und wurde frenetisch gefeiert. 2016 begann er seine weltweite Abschiedstournee.

Michael Schmid

02.12.2021 - Jubiläum , Musik , Soziales