Skirennläufer auf dem Pilgerweg (Donnerstag, 07. März 2019 16:04:00) / Im Blickpunkt / Neue Bildpost

Zu Fuß nach Jerusalem

Ein Skirennläufer auf dem Pilgerweg

Ein halbes Jahr lang ist der ehemalige Skiweltmeister David Zwilling zu Fuß von Oberösterreich nach Jerusalem gepilgert. Zutiefst bewegt vom Heiligen Land hat er mit einer Künstlerin auf dem Jerusalemweg den „Stern der Liebe“ errichtet. Damit möchte der Salzburger seine Botschaft in die ganze Welt hinausstrahlen lassen: „Was Völker und Religionen trennt, können wir Menschen in Liebe verbinden.“

Der einstige Skirennläufer ist ein erfahrener Pilger. „Bereits 2009 war ich in Jerusalem und habe dort alle Stätten kennenlernen dürfen, wo Jesus gewirkt hat“, erzählt der Sieger der Abfahrtsweltmeisterschaft 1974. „Als ich in Haifa einigen Bahais begegnete, bekam ich eine Eingebung, den Weg von Haifa nach Nazareth, den See Genezareth, Bethlehem und durch das Goldene Tor in Jerusalem zu gehen – den Weg für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und die Vision, dass dieses Tor für den Frieden geöffnet wird.“

Im Jahr darauf lernte David Zwilling die Polizisten Johannes Aschauer und Otto Klär kennen, die ihm von ihrer geplanten Pilgerreise zu Fuß nach Jerusalem erzählten. Augenblicklich fasste Zwilling den Entschluss, sich den Männern anzuschließen. 

Treffen mit sich selbst

Am 24. Juni zog das Trio los. Zwilling, einst schnellster Skifahrer der Welt, spürte bald: „Nur das Gehen hat eine Geschwindigkeit, bei der die Seele auch mitkommt. Da kriegst du den unmittelbaren Zugang zu deinem Innersten, wo du dich fragen kannst: Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich?“

David Zwilling, der ständig 15 Kilogramm Gepäck auf seinem Rücken trug, ging mit seinen Weggefährten durch zehn Länder, bei Temperaturen von 43 Grad bis Minusgraden. Nach genau sechs Monaten und 4500 Kilometern kamen die drei Pilger am 24. Dezember in Bethlehem an. „Dort durften wir die Mitternachtsmette noch miterleben, in erster Reihe, dann ist das natürlich schon etwas ganz Einzigartiges.“

Noch in derselben Nacht pilgerten die drei Männer weiter nach Jerusalem, um einen weiteren Höhepunkt ihres Pilgerweges zu erleben. Über die Via Dolorosa führten ihre letzten Schritte zur Grabeskirche, zum Ziel der Pilgerreise. Dort wartete bereits Zwillings Ehefrau, die kurz zuvor in Israel gelandet war.

Vielen Menschen das Erlebnis des Pilgerns im Heiligen Land zuteil werden lassen, ist David Zwilling ein großes Anliegen. So hat der 68-jährige Unternehmer den Jerusalemweg mitinitiiert, ein auch vom brasilianischen Schriftsteller Paolo Coelho unterstütztes, Religionen und Völker verbindendes Friedensprojekt. „Der Friedensweg nach Jerusalem steht für gegenseitige Anerkennung und Toleranz. Er soll in der Folge Völker vereinen“, sagt Zwilling. Der Weg führt von Spanien zum „Stern der Liebe“ im Marienheilgarten im Wallfahrtsort Großgmain in Salzburg und von dort über die Türkei bis in das Zentrum Jerusalems.

Mit der Künstlerin Gudrun Kargl hat Zwilling den „Stern der Liebe“ gestaltet. „Die Vision ist, von diesem Platz aus die Liebe in die ganze Welt hinausstrahlen zu lassen“, erklärt er. „Der zwölfzackige Stern ist ein Symbol für die zwölf größten Religionen und Philosophien, für die zwölf Tierkreiszeichen und die zwölf Apostel.“ In der Mitte des Sterns befindet sich ein Herz als ein Symbol für Gott. Daneben steht eine Laterne mit dem Licht aus Jerusalem, das für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit brennt. 

Gebet für den Frieden

Unter dem Motto „In acht Tagen zum Stern der Menschheit“ plant David Zwilling zusammen mit einem Reiseunternehmen schon die nächste Pilgerreise nach Israel. „Wir wandern auf vielen Spuren, die für den Weltfrieden wichtig sind“, ist Zwilling überzeugt. Es wird ein Wandern auf zahlreichen Spuren sein: den Spuren von Maria und Jesus, den Spuren der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam sowie den Spuren der zwölf Apostel und der Könige David und Herodes.

Wenn es die Zeit zuließe, würde er „auf alle Fälle“ sofort wieder nach Jerusalem pilgern. Weil das nicht geht, sind ihm in dieser von Konflikten im Nahen Osten geprägten Zeit der Brückenbau zwischen Judentum, Christentum und Muslime sowie das Gebet für den Frieden umso wichtiger. Zwilling ist zuversichtlich: „Der Weg zum Frieden hat bereits begonnen.“

Michael Link

Buchhinweis: 

David Zwilling: Aufbruch zu mir selbst. Weltmeister – Pilger – Pionier, ISBN: 978-3-902924-89-6, 24,95 Euro

Weitere Infos finden sich auf den Internetseiten www.zwilling.at und www.jerusalemway.org.

07.03.2019 - Sport , Wallfahrt