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Bischof Bätzing:

Aufarbeitung von Missbrauch schuldet man Betroffenen

Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche dürfen nach Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nicht mit dem Ziel erfolgen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Vielmehr schulde die Kirche diese Maßnahmen den Betroffenen, betonte Bätzing am Freitag im Podcast "Himmelklar". Ob daraus neues Vertrauen wachse oder nicht, liege nicht in der Hand der Kirche. "Vertrauen wird geschenkt, nicht gekauft oder errungen", erläuterte der Bischof.

Viele Gläubige könnten nicht mehr erhobenen Hauptes sagen, dass sie katholisch seien, sagte Bätzing weiter. Es gelte, Aufarbeitung und Prävention so gut wie möglich voranzubringen. Es gehe jedoch nicht darum, schnell an ein Ziel zu kommen: "Wir müssen unsere Arbeit tun", sagte der Bischof. "Aber ich verstehe die Ungeduld vieler Gläubiger, die sagen, ich kann bald nicht mehr."

Bätzing berichtete auch von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs. Er habe in seiner Zeit als Generalvikar in Trier vereinzelt Seminaristen kennengelernt, die im Umfeld ihrer Heimatgemeinden Missbrauch erfahren hatten. "Das war eine erschreckende Erkenntnis, die mir die Augen geöffnet hat", erklärte der Limburger Bischof.

Außerdem habe es in seiner Heimatpfarrei einen Priester gegeben, der in den 1960er Jahren Kinder und Jugendliche missbraucht habe. Am Umgang mit diesem Fall könne man alle Strukturelemente erkennen, die in den meisten Fällen aufgedeckt worden seien: Es finde bis heute keine offene Kommunikation darüber statt, und der Blick auf die Betroffenen fehlte. So sei auch sein eigenes Wissen über das Thema lange "unspezifisch" geblieben.

Den "Perspektivwechsel auf die Opfer" habe er erst mühsam lernen müssen, sagte Bätzing. Zunächst sei er als Priester enttäuscht darüber gewesen, dass ein Priester seine "Macht nicht zum Fördern einsetzt, sondern missbräuchlich". Die 2018 vorgestellte MHG-Studie über Missbrauch durch Kleriker sowie viele Gespräche mit Betroffenen seien für seinen persönlichen Lernprozess wichtig gewesen.

KNA

12.11.2021 - Aufarbeitung , Bischöfe , Missbrauch