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Aufarbeitung:

Studie zeigt Vertuschung und Missbrauch durch Bischof Stehle

Eine neue Untersuchung belegt, dass der frühere Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und spätere Bischof Emil Stehle Missbrauchstäter aus Deutschland in seinem Bistum in Ecuador vor Strafverfolgung geschützt hat. Außerdem werden gegen Stehle (1926-2017) selbst insgesamt sechzehn Meldungen und Hinweise zu übergriffigem Verhalten und sexuellem Missbrauch aufgelistet.

Nach ersten Vorwürfen hatten die Deutsche Bischofskonferenz und Adveniat eine Untersuchung der Akten der Koordinationsstelle "Fidei Donum" in Auftrag gegeben. Unter dem Namen "Fidei Donum" sind seit den 1960-er Jahren etwa 400 Priester aus Deutschland nach Lateinamerikas entsandt worden. Stehle war Leiter der Koordinationsstelle und später Bischof von Santo Domingo in Ecuador.

Aus dem am Montag in Bonn und Essen veröffentlichten Bericht der Rechtsanwältin Bettina Janssen ergibt sich, dass Stehle Priester, die in Deutschland wegen sexualisierter Gewalt strafrechtlich verfolgt wurden, dabei unterstützt hat, sich den Strafverfolgungsbehörden zu entziehen.

Die Vorwürfe sexueller Übergriffe durch Stehle selbst ziehen sich laut Bischofskonferenz und Adveniat durch seine Zeit als Priester in Kolumbien, als Leiter der Koordinationsstelle und Adveniat-Geschäftsführer in Essen sowie später als Weihbischof von Quito und als Bischof von Santo Domingo in Ecuador.

Janssen betonte, es sei möglich, dass es weitere sexuelle Übergriffe durch Stehle gab: "Auch kann es durchaus sein, dass Stehle weiteren Priestern in Lateinamerika zur Tarnung verhalf, was aber in den Akten, weil heikel, nicht dokumentiert war." Sie forderte, zusammen mit den zuständigen lateinamerikanischen Bistümern weitere mögliche Betroffene zu suchen. Auch müsse die Frage geklärt werden, inwieweit Stehles Taten kirchlichen Stellen bekannt waren und was sie dagegen getan haben.

Laut Studie hat Stehle mindestens drei Priester in den 1970-er Jahren dabei unterstützt, sich den in Deutschland anhängigen Strafverfahren zu entziehen. In zwei Fällen wurden die Priester wegen Sexualdelikten an Minderjährigen gesucht, in einem war der Tatvorwurf den Akten nicht zu entnehmen. Durch Namenscodierungen, Tarnadressen und Unterhaltshilfen habe Stehle dafür gesorgt, dass sie verdeckt in Lateinamerika bleiben konnten, heißt es.

Der heutige Leiter der Koordinationsstelle Fidei Donum, Martin Maier, der auch Hauptgeschäftsführer von Adveniat ist, zeigte sich tief erschüttert über die Erkenntnisse und bat um Entschuldigung: "Viel zu lange blieben seine Schandtaten im Dunkeln, erst die Meldungen von Betroffenen haben eine Aufarbeitung möglich gemacht", so der Jesuit. Die Kirche müsse sich solchen Taten weltweit stellen.

Für die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, steht fest: "Der Untersuchungsbericht ist kein Schlusspunkt, sondern wird noch zu klärende Konsequenzen nach sich ziehen." Die Erkenntnisse würden nun an die zuständigen Diözesen weitergeleitet, in denen konkrete Missbrauchsvorwürfe gegen Diözesanpriester aufgearbeitet würden. Die Entsendung von Priestern und anderen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müsse kritisch überdacht werden. Es müsse nachgewiesen werden, dass sie im Bereich sexueller Übergriffigkeit nicht vorbelastet seien; auch müssten sie Präventionsschulungen nachweisen.

KNA

09.08.2022 - Bischöfe , Hilfswerke , Missbrauch