Erste Messe in Notre-Dame seit Brand (Montag, 17. Juni 2019 09:29:00) / Nachrichten / Neue Bildpost

Erste Messe in Notre-Dame seit Brand

Gottesdienst mit Schutzhelmen

In der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist am Samstagabend der erste Gottesdienst seit dem verheerenden Brand vor zwei Monaten gefeiert worden. Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit leitete die Messe, zu der etwa 30 geladene Teilnehmer in eine unbeschädigte Seitenkapelle gekommen waren. Zum Schutz vor herabfallenden Trümmern trugen alle weiße Bauhelme. Anlass war das jährliche Fest der Altarweihe der Kathedrale.

„Wir feiern heute mit großen Emotionen die Weihe der Kathedrale“, sagte Aupetit zu Beginn. Normalerweise wären aus diesem Anlass große Mengen von Gläubigen anwesend. „Aber wir sind zutiefst glücklich, hier die Messe feiern zu können.“ Dies sei auch eine Botschaft der Hoffnung und der Dankbarkeit an alle, die betrübt seien über das, was der Kathedrale widerfahren sei, dem Symbol der französischen Nation und des christlichen Glaubens, sagte der Erzbischof.

Er habe zahllose Botschaften des Mitgefühls aus der ganzen Welt erhalten, Kinder hätten Zeichnungen oder Gedichte geschickt. Auch für sie alle sei dies ein Signal: „Die Kathedrale ist noch am Leben“. Der Wiederaufbau sei zu einem Gemeinschaftswerk von vielen geworden.

Aupetit sagte in seiner Predigt, Notre-Dame sei von Beginn an im Sinne der Nächstenliebe für alle offen gewesen; Arme und Ausgeschlossene hätten dort Schutz, Kranke im Hospiz „bedingungslose Aufnahme“ gefunden, betonte der Erzbischof. Dabei zitierte er auch den berühmten Ausruf „Asyl, Asyl!“ des Glöckners von Notre-Dame, Quasimodo, aus dem Roman von Victor Hugo.

Heute sei die Frage, ob sich die Christen für ihren Glauben und für Christus schämten. „Ja, diese Kathedrale ist eine Kultstätte, das ist ihr höchster und einzigartiger Zweck“, hob Aupetit hervor. Er warnte davor, Kultur und religiöse Praxis - „Kultur und Kult“ - ideologisch zu trennen. „Eine Kultur ohne Anbetung wird zur Unkultur“, betonte der Erzbischof. Er verwies auf eine „enorme religiöse Ignoranz unserer Zeitgenossen“. Sie wollten den Namen Gottes aus der Öffentlichkeit heraushalten und beriefen sich dabei auf einen Säkularismus, der jede sichtbare spirituelle Dimension ausschließe.

Ein Brand im April hatte das gesamte Dach der Kathedrale sowie den Spitzturm zerstört. Die Ursache ist bis heute unklar. Die Arbeiten zur Absicherung von Notre-Dame dauern an. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte umgehend einen Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren an.

Unterdessen fließen die zugesagten Spenden laut Medien zögerlich. Von den rund 850 Millionen Euro an angekündigten Geldern seien bisher 80 Millionen Euro eingegangen, sagte Kulturminister Franck Riester. Das Geld stamme vor allem von Privatleuten. Noch nicht gezahlt hätten dagegen die Großspender.

Aupetit zeigte sich zuversichtlich. „Wir glauben, dass die Spenden kommen werden, man muss den Leuten vertrauen“, unterstrich der Erzbischof nach dem Gottesdienst. Zu sehen waren die über dem Kirchenschiff gespannten Schutznetze sowie Trümmer, die noch immer den Boden bedecken.

KNA

17.06.2019 - Ausland , Bischöfe , Kirchenbauten