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Text zur Sexualmoral gescheitert

Paukenschlag bei Vollversammlung des Synodalen Wegs

Mit einem Paukenschlag hat die inhaltliche Arbeit bei der Vollversammlung des kirchlichen Reformdialogs Synodaler Weg begonnen. Bei dem Treffen scheiterte am Donnerstagabend gleich der erste grundlegende Text zur katholischen Sexualmoral. Während die erforderliche Zweidrittelmehrheit aller anwesenden 209 Synodalen erreicht wurde, erhielt das Papier bei den Bischöfen keine Zweidrittelmehrheit. Lediglich 61 Prozent von ihnen votierten dafür. 33 Bischöfe stimmten für den Text, 21 dagegen, drei enthielten sich.

Der Text sah Reformbedarf unter anderem in der Haltung der Kirche zu künstlicher Verhütung und homosexuellen Partnerschaften. In der Debatte hatten einige Bischöfe die Forderungen als einen Bruch mit der kirchlichen Lehre und dem christlichen Menschenbild bezeichnet.

Nach dem Scheitern kam es im Versammlungssaal zu einer spontanen Protestkundgebung. Einzelne Synodale verließen die Versammlung. Der Synodalpräsident und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach von einer "krisenhaften Situation". Zugleich wies er darauf hin, dass das Ergebnis gemäß dem Statut zustandegekommen sei. Gleichwohl zeigte er sich enttäuscht über das Abstimmungsverhalten seiner Mitbrüder: "Das Abstimmungsergebnis ist ein Ergebnis der deutschen Bischöfe." Er rief die Synodalen auf, zusammenzubleiben und weiterzumachen.

Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, zeigte sich tief enttäuscht von dem Ergebnis. Wenn sich dies beim Grundtext zur Rolle der Frauen in der Kirche wiederholen würde, stünde man "vor einem Scherbenhaufen". In einer hochemotionalen Aussprache brachten im Anschluss zahlreiche Delegierte ihre Enttäuschung über das Ergebnis zum Ausdruck, darunter eine Reihe Bischöfe.

Innerkirchliche Konfliktlinien waren bereits zuvor sichtbar geworden. So diskutierte die Vollversammlung über Äußerungen von Stetter-Karp zu Schwangerschaftsabbrüchen. Vor der Synodalversammlung erklärte die ZdK-Präsidentin, sie setze sich für den Lebensschutz und für den Abtreibungs-Paragraphen 218 im deutschen Strafgesetzbuch ein. Dieser stelle einen mühsam gewonnenen Kompromiss dar, der nicht aufgegeben werden solle. Sie betonte, kein Arzt dürfe gegen sein Gewissen zur Durchführung einer Abtreibung gezwungen werden. Aber es müsse auch dafür gesorgt werden, dass Schwangeschafts-Konfliktberatungen ergebnisoffen geführt werden könnten. Mehrere Synodale bekundeten ihre Solidarität mit Stetter-Karp, andere kritisierten sie.

Zuvor hatte Bischof Bätzing eingeräumt, dass es zwischen dem Präsidium des deutschen Synodalen Wegs und dem Sekretariat der Weltbischofssynode keinen offiziellen Gesprächskanal gebe. Er bedauere das sehr, betonte Bätzing. Zugleich versicherte er, dass er mit dem Sekretär der Weltbischofssynode, Kardinal Mario Grech, und mit dem Synoden-Generalrelator, Kardinal Jean-Claude Hollerich, in einem "guten Austausch" stehe.

Das Reformprojekt wurde 2019 als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und die enorme Vertrauenskrise gestartet. Die Debatten um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und neue Enthüllungen über den Umgang mit Missbrauch haben die Krise eher noch verschärft. Zugleich kommt aus dem Vatikan immer wieder die Warnung, die Kirche in Deutschland dürfe keine Sonderwege gehen. Viele der angepeilten Reformen wären nur in Abstimmung mit der gesamten Weltkirche umsetzbar.

KNA

09.09.2022 - Bischöfe , Laien , Synodaler Weg