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Deutscher Pflegetag in Berlin

Pflegerat fordert mehr Befugnisse für Berufsstand

Pflegekräfte sollen durch eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens mehr Befugnisse erhalten: Das fordert der Deutsche Pflegerat. Zum Auftakt des Deutschen Pflegetages in Berlin bekräftige die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, am Donnerstag zudem die Forderung nach Pflegekammern sowie einem eigenen Heilberufegesetz.

Die Bundesregierung solle wie im Koalitionsvertrag vereinbart das Allgemeine Heilberufegesetz schnellstmöglich voranbringen, sagte Vogler. Dann könnten die Pflegekräfte viele Fragen ohne politische Vorgaben eigenständig regeln und der Pflegeberuf Teil des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) werden. Das ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

Sie warf der Politik vor, einen ganzen Berufsstand in der Unmündigkeit zu halten. Der Pflege werde die "gleichberechtigte strukturelle Stimme" verweigert, beklagte Vogler. Gesundheits- und Pflegeberufe müssten befähigt werden, unabhängig und selbstständig Pflege und Therapie auszuüben. So sollten Pflegefachpersonen die pflegerische Versorgung endlich eigenverantwortlich übernehmen. Sie könnten beispielsweise impfen, Heil- und Hilfsmittel sowie bestimmte Medikamente bei Erkältungen und Schmerzen verschreiben oder empfehlen und Aufklärungsgespräche führen. Das sei international längst Standard. In Deutschland dürfen dies bisher nur Ärzte.

Bei der Ausbildung verlangte sie bundeseinheitliche Bildungsstrukturen. Bislang fehlten aber Absprachen in den Bundesländern. Der Bestand an Fakultäten, Studiengängen und Studenten reiche bei Weitem nicht aus. Bei der akademischen Ausbildung und der Anerkennung an Hochschulen sei Deutschland ein Schlusslicht. Zugleich fehle es an Fachkräften in Ausbildung und Lehre.

Angesichts des wachsenden Bedarfs an Pflegekräften verlangte Vogler bessere Arbeitsbedingungen. Dazu zählten neben einer besseren Bezahlung bessere Arbeitsbedingungen, Personalausstattung und Ausbildung. Scharfe Kritik übte sie an der geplanten Regelung zur Personalbemessung (PPR 2.0). Die Gesetzesvorlage sei "im höchsten Maße enttäuschend", weil sie die Kosten, aber nicht die Personalbemessung in den Blick nehme.

Mit Blick auf Corona-Maßnahmen forderte Vogler ein Auslaufen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zum Jahresende. Zugleich betonte sie, dass sich der Pflegerat eindeutig dafür ausgesprochen habe, dass Pfleger geimpft werden. Auch bei der Maskenpflicht verlangte sie mehr Anerkennung der Eigenverantwortung von Pflegern. Diese könnten die einzelnen Einrichtungen am besten selbst lösen, da das Hygienemanagement Teil der pflegerischen Kompetenz sei. Sie verlangte von der Gesellschaft eine solidarische Mitverantwortung für den Schutz vor Corona in Pflegeeinrichtungen.

KNA

07.10.2022 - Gesundheit , Pflege , Politik