Protestanten weiterhin gespalten bei Ökumene-Erklärung von 1999 (Donnerstag, 31. Oktober 2019 09:36:00) / Nachrichten / Neue Bildpost

Zum Reformationstag

Protestanten weiterhin gespalten bei Ökumene-Erklärung von 1999

Die Protestanten in Deutschland nehmen zu der vor 20 Jahren unterzeichneten "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" (GER) noch immer keine einheitliche Haltung ein. Beim Jubiläumsgottesdienst an diesem Donnerstag in der Stiftskirche in Stuttgart sind nur die elf lutherischen Landeskirchen offiziell vertreten. Der Württemberger Landesbischof Frank Otfried July predigt in seiner Funktion als Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbunds (LWB).

Die am Reformationstag 1999 von Vertretern des LWB und des Vatikans unterzeichnete Erklärung gilt inzwischen als ökumenisches Basisdokument, der sich mittlerweile auch der Weltrat Methodistischer Kirchen, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und die Anglikanische Gemeinschaft angeschlossen haben.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Ralf Meister (Hannover), würdigte die Erklärung als "Hoffnungszeichen für den ökumenischen Dialog" und "Lehrstück, wie Konflikte aus der Vergangenheit im Dialog neu bewertet werden können".

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigt sich dagegen weiterhin zurückhaltend mit Blick auf eine offizielle Anerkennung der GER. Der Vizepräsident des Kirchenamts der EKD in Hannover, Thies Gundlach, erklärte am Mittwoch, dass die Diskussion um die GER 1999 "mit theologisch großer Intensität geführt" worden sei; "es gab durchaus spannungsvolle Einschätzungen, die in Kirche und Wissenschaft unterschiedlich ausfielen". Andererseits sei die GER seither - nicht zuletzt auch durch das ökumenisch als "Christusfest" gestaltete Jubiläumsjahr 2017 - "von einer rein kontroverstheologischen Erklärung zu einem von vielen Kirchen getragenen Konsenspapier geworden".

Dass die offizielle Rezeption dieses Textes "unterschiedlich ausgefallen ist und ausfällt, zeigt aber auch, dass geklärt sein muss, welche Bedeutung eine Rezeption der GER durch die EKD haben würde", sagte Gundlach. "Die Kammer für Theologie wäre geeignet, diese und weitere Fragen einmal grundsätzlich zu durchdenken."

KNA