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Erzbistum Köln

Demonstranten fordern veränderten Umgang mit Missbrauch

Mehr als 300 Menschen haben am Samstagnachmittag in Köln gegen den Umgang des Erzbistums mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen protestiert. "Unser Plädoyer ist: Die Kirchen müssen die Aufklärung und die Aufarbeitung nach draußen geben", sagte die Sprecherin der Reforminitiative Maria 2.0 Rheinland, Maria Mesrian.

Der frühere Sprecher des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln, Karl Haucke, forderte Änderungen in der Priesterausbildung. "Wer in Führungsposition bei der Kirche kommt, soll was von Menschenführung verstehen, von Kommunikationswesen und natürlich Empathie und Moral mitbringen", sagte er. "Wir sehen an der Kölner Bistumsleitung, dass das mindestens vier Bereiche sind, die hier nicht vorhanden sind."

Die Proteste fanden in der Kölner Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Wohnhaus von Kardinal Rainer Maria Woelki sowie zum Tagungshaus des Erzbistums statt. Dort sind zwei Gesandte des Papstes untergebracht, die derzeit die Vorgänge in Deutschlands mitgliederstärksten Diözese rund um die Missbrauchsaufarbeitung prüfen.

Die Gemeinden im Erzbistum seien tief gespalten, sagte Mesrian auf die Frage, welchen Eindruck die päpstlichen Prüfer mit nach Rom nehmen sollten. Unter den Protestierenden standen auch vereinzelt Priester der Erzdiözese, etwa Pfarrer Christoph Bernards aus Bergisch-Gladbach. "Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs muss zügig vorangehen", sagte er. "Da macht unser Bischof schon viel, aber die Frage der persönlichen Verantwortung lässt er außen vor."

Mit Applaus und Gesang begrüßten die rund 250 Protestierenden auf dem Platz den Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann und etwa 60 Weggefährten. Die Gruppe war 40 Kilometer zu Fuß nach Köln gelaufen, um ein Zeichen für Veränderung zu setzen. Koltermann ist bislang der einzige Priester im Erzbistum Köln, der öffentlich den Rücktritt von Erzbischof Woelki gefordert hat.

Die Dormagener waren mit anderthalb Stunden Verspätung in Köln angekommen. Er habe sich um zehn Kilometer verschätzt, erklärte Koltermann. Dann dankte er seinen Begleitern. Zur Veränderung gehöre es, sich selbst auf den Weg zu machen. "Auch wenn das weh tut und die Kräfte nachlassen. Da kann uns keiner dran hindern, kein Bischof, wer auch immer."

Zu Aufregung kam es, als der ehemalige Pfarrer der Kölner Hochschulgemeinde (KHG), Bernd Thranberend, als geladener Redner auf dem Podium sprach. Einzelne Protestierende warfen ihm lautstark "Verrätertum" vor. An der KHG gab es vor einigen Monaten Auseinandersetzungen um ein Positionspapier, das zunächst im Semesterprogramm und auf der Homepage der Gemeinde zu finden war. Darin kritisiert sie die kirchliche Sexualmoral und das Lehramt. Das Erzbistum untersagte die Veröffentlichung des Papiers.

Im Erzbistum Köln wird seit mehr als einem Jahr über die Missbrauchsaufarbeitung debattiert. Ein im März veröffentlichtes Gutachten weist hohen Amtsträgern Fehler im Umgang mit früheren Fällen sexueller Gewalt durch Geistliche nach. Kardinal Woelki wird in dem Report juristisch entlastet. Kritiker werfen ihm jedoch moralische Fehler vor. Die päpstlichen Kontrolleure sollen auch seinen Umgang mit Missbrauch überprüfen - so wie den anderer Amtsträger. Vergangenen Dienstag führten sie ihre ersten Gespräche mit Betroffenen. Die Inhalte aller weiteren Treffen sollen vertraulich bleiben.

KNA

14.06.2021 - Bistum , Deutschland , Missbrauch