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Synodaler Weg

Bischof Bertram Meier zieht hoffnungsvolles Fazit

Unter der Überschrift „Wir sind beisammengeblieben: die Haltung des Aufeinander-Wartens“ hat Bischof Bertram Meier nach der vierten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt/Main ein differenziertes und gleichzeitig hoffnungsvolles Fazit gezogen."Wir sind auf der Zielgeraden", sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.

„Ein Indiz dafür ist, dass es – wie im Langstreckenlauf – gegen Ende spannend und eng wird. Es kann Gerangel und Gedränge geben, auch das Publikum fiebert mit, es läuft zur Hochform auf, die Stimmung kann erhitzen. Das haben die vergangenen Wochen und Tage rund um die Vollversammlung gezeigt: Der Synodale Weg wurde medial intensiv thematisiert und je nach Position auch personalisiert. Manche Leute wurden geradezu zu Symbolfiguren. Dass es diesmal in Frankfurt ,um etwas ging', schlug sich auch in der Atmosphäre nieder: Entspanntes Klima sieht anders aus. Ich empfand die Versammlung eher als ,gereizte Synode'. Trotz der Anspannung ist das Tischtuch nicht zerschnitten. Wir sind nicht auseinandergegangen, wir sind beisammengeblieben: ein Hoffnungszeichen.

Mit dem bevorstehenden vorläufigen Ende des Synodalen Wegs in Deutschland ist der weltkirchliche synodale Prozess, den Papst Franziskus angestoßen hat, längst nicht am Ziel. Er geht jetzt erst richtig los. Es ist wie bei einem Sternmarsch: Die Ergebnisse aus den einzelnen Ländern werden kontinental ausgewertet und gebündelt, ehe sie dann für die Weltsynode im Oktober 2023 aufbereitet werden. Für uns Deutsche, die wir schon länger auf unserem Synodalen Weg gehen, stellt sich die Aufgabe, unsere Ergebnisse zu sichern und etwas innezuhalten, um die anderen Ortskirchen mitkommen zu lassen. Wir sollten sie nicht ,abhängen', sondern uns gegenseitig anspornen und einbinden. Die Kirche in Deutschland muss beim Zieleinlauf nicht die erste sein. 

Für die weiteren Schritte wünsche ich uns die Haltung des Wartens in verschiedenen Facetten. Erstens: Unsere Anliegen und Wünsche - bitte nicht Forderungen (!) – werden in Rom erwartet. Zweitens: Wir selbst müssen warten lernen, bis die Weltkirche, also die einzelnen Ortskirchen mit dem Papst in der Mitte, sich in die Themen, die wir setzen wollen, eingeklinkt hat. Drittens: Wir Deutsche sollten selbst neugierig abwarten, welche Impulse und Korrekturen Ortskirchen anderer Länder und Kontinente uns gegenüber einbringen. Auch wir können lernen! Ein konkreter Vorsatz für uns könnte sein, gegen die Ungeduld des Nicht-erwarten-Könnens anzukämpfen. Dafür setzen wir auf die Haltung des Aufeinander-Wartens.

 Jesus hat keine Lager gebildet, sondern er versuchte, Einheit zu stiften und zu bewahren (vgl. Joh 17). Diesem Anliegen möchte ich folgen. Ich will frei bleiben, was keineswegs desinteressierte Neutralität bedeutet: frei gegenüber meinen eigenen Interessen und Vorlieben, frei gegenüber Lobbyisten, die ihre eigene Agenda voranbringen wollen, frei an Gott gebunden. Ich möchte so frei sein, dass ich meine eigenen Entscheidungen als Hörender treffe. Unter den vielen Stimmen hoffe ich zu unterscheiden, damit die Stimme Jesu in seiner Kirche hörbar und maßgeblich wird. Ich will frei sein, um es mit meinem Gewissen auszumachen, welchen Beschlüssen ich folge und wo ich meine Gefolgschaft verweigern muss.

Im Blick auf die Weiterführung des Synodalen Wegs sind mir Konsequenzen wichtig. Der Synodale Weg sollte kein Ereignis der Folgenlosigkeit sein. Synodalität bedeutet Kulturwandel – und der braucht Geduld und Zeit. Wir müssen uns in die Synodalität ,einleben'. Synodalität ist weniger eine Methode als vielmehr eine Stilfrage. Wir müssen uns diesen Lebensstil der Kirche aneignen.

Auch die Inhalte der synodalen Themen sollten wir noch besser anschauen. Es geht um den Anspruch der göttlichen Offenbarung. Sie in ihrer Autorität und Verbindlichkeit zu achten, ist unsere Vorgabe. Unsere Aufgabe besteht darin, immer mehr in die Tiefe der Offenbarung einzudringen und für das 21. Jahrhundert zu ,verheutigen'. Auf Jesus bezogen: Er war nicht nur ein religiöser Impulsgeber vor 2000 Jahren; er lebte und lehrte nicht nur als Kind seiner Zeit. Er hat auch unwandelbare Konstanten gesetzt: über Gott, den Menschen und die Kirche. Diese Konstanten herauszufinden, ist eine schwierige Aufgabe, die uns weiterhin in Atem und im dialogischen Ringen halten wird. Doch eine profilierte Kirche kann sich diese Aufgabe nicht ersparen.“

red