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Elend nicht nur im Winter:

Jeden Tag stirbt ein Obdachloser in Italien

Seit Jahresbeginn ist in Italien jeden Tag ein Obdachloser gestorben. Dies zeige schon jetzt einen deutlichen Anstieg der Todesfälle verglichen mit den vergangenen Jahren, berichtete die Zeitung "Avvenire". Sie beruft sich dabei auf Daten der italienischen Obdachlosenorganisation Fio.PSD. 224 Menschen seien 2022 bislang auf Italiens Straßen gestorben, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 246, im Jahr 2020 lag die Zahl bei 208.

Die Todesursachen seien dabei vielfältig und nicht auf bestimmte Jahreszeiten zu beschränken. So starben 60 Prozent der Menschen durch Unfälle, Gewalt und Selbstmord; 40 Prozent aus gesundheitlichen Gründen. Bei einem Großteil der Toten handelte es sich um Männer (92 Prozent), durchschnittlich 49 Jahre alt.

Augusto D'Angelo von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom warnte davor, dem Problem nur im Winter Aufmerksamkeit zu schenken. Der Tod von Menschen, die auf der Straße leben, sei das ganze Jahr über konstant. Eine schöne Jahreszeit löse "dieses Drama" leider nicht. Im Gegenteil: Der Sommer sei in mancher Hinsicht schlimmer als der Winter, weil viele Anlaufstellen geschlossen seien, so D'Angelo.

Weiter fehle es an Wohnungsbauprojekten für Betroffene, um diese auf ein Leben in einem eigenen Zuhause vorzubereiten, erklärte der Sprecher von Fio.PSD, Michele Ferraris. Notunterkünfte, die am Morgen wieder verlassen werden müsste, reichten nicht aus.

KNA

11.08.2022 - Gesundheit , Italien