„Heilige“ auf dem Kaiserthron (Mittwoch, 23. Januar 2019 16:16:00) / Bistum Augsburg / Neue Bildpost

Eleonore Magdalena Theresia von Pfalz-Neuburg

Die Großmutter von Kaiserin Maria Theresia war jedem Prunk abhold

NEUBURG/DONAU – Sie wurde am Heiligdreikönigstag des Jahres 1655 in Düsseldorf geboren und Jakob Balde, Jesuit und Hofprediger am Neuburger Hof ihres Vaters Philipp Wilhelm, prophezeite der neugeborenen Eleonore Magdalena Theresia von Pfalz-Neuburg ein glänzendes Leben. Ja, der bedeutende neulateinische Dichter deutete in seinem Geburtstagsgedicht sogar an, dass dereinst mehrere Fürsten um sie freien würden, sie aber einen Kaiser heiraten werde.

Für eine Prinzessin aus dem Hochadel wäre das keine allzu ungewöhnliche Karriere gewesen, aber für eine einfache Pfalzgrafentochter? „Balde muss geblufft haben, denn wie konnte er wissen, dass sie Fürsten ablehnen und einmal Kaiserin werden würde?“, meint Schlossführerin Gabriele Kaps. Exponate mit direktem Bezug sind auf Schloss Neuburg zwar nicht zu finden, doch die Geschichte der tief religiösen, hochgebildeten, starken und für ihre Zeit fast schon rebellischen Frau ist so spannend, dass der Stammbaum ihrer Familie als einzige optische Ergänzung ausreicht.

Eleonore war das erste Kind des eher unbedeutenden Pfalzgrafen Philipp Wilhelm, der mit seiner zweiten Frau Elisabeth Amalie Magdalena aus dem Hause Hessen-Darmstadt 17 Kinder hatte und durch geschickte Heiratspolitik zum „Schwiegervater Europas“ wurde. Wobei die bekannte Fruchtbarkeit der hessischen Prinzessinnen eine Rolle mitgespielt haben dürfte. Eleonore wurde auch aus diesem Grund vom habsburgischen Kaiser Leopold I., dessen beide Ehen kinderlos geblieben waren, in die engere Wahl genommen. Jedenfalls ließ der Kaiser ein medizinisches Gutachten erstellen.

Eigentlich wäre die junge Pfalzgräfin, die streng erzogen wurde, hochgebildet war und neben Latein auch Französisch sowie Italienisch beherrschte und schon als Kind fromm war, am liebsten in ein Karmeliterkloster eingetreten. Schon mit vier Jahren soll sie beim Anblick eines Kruzifixes in einem Karmeliterkloster in Tränen ausgebrochen sein und sich unter das Kreuz gesetzt haben, weinend „über die Blässe und Zerfleischung des Heilands“, da sie selber wohl gekleidet sei und es ihr an nichts fehle.

Das Geld, das sie von den Eltern erhielt, ließ sie den Armen zukommen. Wenn sie an Kartenspielen oder „anderer Kurtzweilen“ teilnahm, verlangte sie von ihren Mitspielern, dass man die Gewinne für ein Messopfer spende oder einem Armen davon ein Mantel gekauft werde. Eines Tages soll sie ihre eigenen Schuhe ausgezogen und an zwei barfüßige Kapuziner mit der Bitte verschenkt haben, sie zu verkaufen und sich vom Erlös Schuhe zu kaufen. Wenn sie sich unter Bettlern aufhielt, soll sie ihnen gesagt haben: „Ich bin nicht um ein Haar besser als ihr – ihr seid Menschen wie ich, mit dem Blute Christi erkauft und sofern ihr aufrecht und keusch lebt, der ewigen Glückseligkeit genauso fähig als ich.“

Es heißt, sie habe sich der Sonne ausgesetzt, damit sie mit ihrem Sonnenbrand dem Kaiser nicht gefallee. Tatsächlich gelang es ihr, den ersten Antrag des 15 Jahre älteren, verwitweten Leopold I. abzulehnen, den zweiten nahm sie als gehorsame Tochter ihres Vaters an. Dieser machte ihr klar, als Kaiserin könne sie weit mehr bewirken denn als barfüßige Karmelitin. 

Und das tat sie dann auch. Sie stiftete Klöster, finanzierte Klostersanierungen, war wohltätig, engagierte sich in der Krankenpflege und erhielt so den Beinamen „die Heilige auf dem Kaiserthron“, zumal sie, wie zuvor als Pfalzgräfin, auch als Kaiserin jedem Prunk abhold war. Dass sie sich selbst geißelte, mehrmals täglich betete, dreimal die Woche zur Beichte ging und sich selbst nach täglich zweimaliger Gewissenserforschung Strafen auferlegte, mute aus heutiger Sicht bigott an, meint Kaps, doch das sei es zu Eleonores Zeit im Barock keineswegs gewesen.

Zehn Kinder schenkte die Kaiserin ihrem Mann, wie es aufgrund der Fruchtbarkeit ihrer Mutter erwartet worden war. Doch die hochgebildete Frau sei auch Partnerin auf Augenhöhe und Beraterin ihres Mannes gewesen. Sie übernahm nach dessen Tod die Regierungsgeschäfte, bis ihr Sohn Joseph I. volljährig wurde, erklärt Kaps. Ihren Beratern habe sie es nicht leichtgemacht, sondern ihre Entscheidungen selber getroffen und auch später ihrem Sohn noch in die Regierungsgeschäfte dreingeredet. Ihr dritter Sohn Karl VI. folgte seinem Bruder auf den Thron. Er war der Vater der späteren Kaiserin Maria Theresia.

Den Karmelitern blieb Eleonore zeitlebens eng verbunden. So soll ihr erster Gang ins Karmeliterkloster geführt haben, als sie im August 1689 anlässlich der Primiz ihres Bruders Alexander Sigismund erstmals wieder Neuburg besuchte. Andrea Hammerl

23.01.2019 - Historisches