Interview mit Pfarrer Oblinger (Donnerstag, 24. Mai 2018 19:12:00) / Bistum Augsburg / Neue Bildpost

Der neue Chef von Marienfried

Angebote in die Tiefe des Glaubens

Ab 1. Oktober ist der Lindauer Pfarrer Georg Alois Oblinger Chef in der Gebetsstätte Marienfried in Pfaffenhofen an der Roth im Dekanat Neu-Ulm. Im Interview unserer Zeitung stellt er sich vor.  

Herr Pfarrer Oblinger, unser aktuelles Foto entstand, als Sie im Augsburger Kongress am Park für Ihre 100. Blutspende geehrt wurden. Was veranlasst Sie zum Blutspenden?

Zum Blutspenden kam ich durch meinen Vater, der ebenfalls jahrzehntelang Blut spendete. Sobald ich 18 Jahre alt war, begann ich dann selbst mit dem Blutspenden. Seither habe ich dies an allen Wohnorten weitergeführt. Dies ist eine Form der gelebten Nächstenliebe, die ich für sehr wichtig erachte. Täglich werden in Bayern 2000 Blutkonserven gebraucht. Leider ist der Bedarf steigend und die Zahl der Spender abnehmend. Ich habe deshalb schon viele Menschen zum Blutspenden animiert. An meiner ersten Pfarrstelle in Bliensbach bin ich immer mit der Dorfjugend zum Spenden gegangen. Als Stadtpfarrer von Ichenhausen habe ich mich mit meinem evangelischen Kollegen abgestimmt und wir haben gemeinsam Blut gespendet.

Ab 1. Oktober sind Sie neuer Rektor der Gebetsstätte Marienfried. Was hat Sie bewogen, einen Wechsel aus dem bezaubernden, belebten Lindau in ein Dorf in der schwäbischen Provinz in Betracht zu ziehen?

Nun, Marienfried ist sicherlich nicht Provinz, sondern zieht als Gebetsstätte zahlreiche Pilger an. Den Bodensee mit seinem großzügigen Kultur- und Freizeitangebot werde ich sicherlich vermissen, ebenso die schöne Inselstadt Lindau. Doch die Initiative ging nicht von mir aus. Es war der Wunsch unseres Bischofs Konrad Zdarsa, und ich glaube, darin auch den Willen Gottes zu erkennen. Christlich leben heißt immer nach dem Vorbild Mariens die eigenen Interessen hinten anzustellen und bereit sein, im Heilsplan Gottes mitzuwirken: „Fiat mihi secundum verbum tuum (Mir geschehe nach deinem Willen.)“

Werden Sie die barocke Herrlichkeit des Lindauer Münsters Unserer Lieben Frau nicht vermissen? Ihr neues Gotteshaus „Maria, Mutter der Kirche“ ist modern und schnörkellos.

Ich liebe einerseits die barocke Frömmigkeit, die auch mit der bayerischen Lebenskultur verbunden ist und die ein starker Ausdruck unseres katholischen Glaubens ist. Andererseits bin ich in meinem Denken eher geradlinig und schnörkellos. Mein Arbeitsstil und mein Schreibtisch können gerne als puristisch bezeichnet werden. Eine schöne Barockkirche – gerade auch in einer Urlaubsgegend – wird leider nicht nur als Gotteshaus gesehen, sondern von vielen Menschen auch als festliche Kulisse oder als touristisches Foto-Motiv. Dies kann auch eine Belastung sein.

Sie werden an einer Mariengebetsstätte wirken. Was für eine Beziehung haben Sie zur Muttergottes?

Als Abiturient begann ich, in meiner Nachbargemeinde regelmäßig die Fatima-Gebetswache zu besuchen. Dort ist auch meine Berufung gewachsen. Im  Trierer Priesterseminar begann und beschloss ich jedes Semester mit einer Wallfahrt zur Mariensäule. Dann kam für mich eine Phase, in der ich mir unklar war, ob ich diesen Weg weitergehen soll. Ich machte 20 Monate Zivildienst in einem Trierer Krankenhaus und stellte diese Zeit unter den besonderen Schutz der Gottesmutter. Wie viele junge Menschen schrieb ich als Student Gedichte; während des Zivildienstes schrieb ich ausschließlich Mariengedichte. Nach dem Studium wusste ich nicht, ob ich zur Weihe zugelassen werde. Da kam ich nach Sonthofen „Mariä Heimsuchung“ und wusste, es wird gut werden. Auch mein Priestertum stellte ich unter den besonderen Schutz der Gottesmutter und kam als erstes ins Münster Unserer Lieben Frau nach Donauwörth. Auch hier in Lindau haben zwei meiner drei Pfarrgemeinden ein Marienpatrozinium.

Ihr Vorgänger, Direktor Clemens Maria Henkel, war mit der Neugestaltung des Pilgerortes befasst. Welche Aufgaben warten dort auf Sie?

Ich bin froh, dort alles so gut geordnet übernehmen zu können. Von Ichenhausen aus habe ich den Bau der neuen Kirche mitbekommen. Der schöne und würdevolle Gottesdienstraum wurde am 23. Oktober 2011 geweiht. Es ist eine besondere Fügung, dass ich der Priester bin, der vier Tage später dort die erste Gebetsnacht halten durfte – damals noch als Stadtpfarrer von Ichenhausen. Da nun alle Gebäude so gut umgebaut sind, bleibt mir vielleicht mehr Zeit für die eigentlichen priesterlichen Aufgaben.

Als ehemaliger Leiter der Pfarreiengemeinschaft Ichenhausen kennen Sie die Gläubigen in der Region. Deshalb haben Sie sicher schon eine Vorstellung, welche Pilger Sie besonders ansprechen wollen?

Die Leitung einer Gebetsstätte ist natürlich etwas völlig anderes als die Leitung einer Pfarrgemeinde oder Pfarreiengemeinschaft. Der Priester an einer Gebetsstätte hat die Aufgabe, für die Menschen da zu sein, die dorthin kommen. Marienfried ist ein geistliches Zentrum, wie es viele Klöster sind. Diese haben in der Kirchengeschichte immer wieder eine wichtige Rolle gespielt bei geistlichen Neu-Aufbrüchen. Schon Papst Johannes Paul II. hat das Wort von der Neu-Evangelisierung geprägt. Seine Nachfolger und auch unser Bischof Konrad haben dieses Anliegen weitergeführt. Ich glaube, bei diesem bedeutenden Ziel kommt auch der Gebetsstätte eine wichtige Aufgabe zu. In den Pfarrgemeinden werden heute viele sogenannte  niederschwellige Angebote gemacht, um Fernstehende anzusprechen. Das ist sicherlich wichtig. Manchmal werden aber leider jene Angebote gekürzt, die wirklich in die Tiefe des Glaubens führen: tägliche Messfeier, eucharistische Anbetung, Beichtgelegenheit, Andachten. An allen meinen bisherigen Pfarrstellen habe ich immer versucht, hier gegen den Trend zu steuern. Ich habe ein Herz für die Frommen und Konservativen, die leider in den Pfarrgemeinden oftmals wenig geschätzt sind. Interview: Gerhard Buck

24.05.2018 - Bistum Augsburg , Hintergrund