Wahl am 25. Februar bestimmt Zukunft der Pfarreien (Freitag, 03. November 2017 09:52:00) / Bistum Augsburg / Neue Bildpost

Diözesanrat

Wahl am 25. Februar bestimmt Zukunft der Pfarreien

„Wir alle haben eine Riesenverantwortung für unsere Pfarreien“, erklärte Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Haus Sankt Ulrich. Die Pfarrgemeinderatswahl mit dem Motto „Zukunft gestalten. Weil ich Christ bin“ am 25. Februar liege ihr deshalb „ex­trem am Herzen“.

Besonders in Zeiten, in denen kein Seelsorger vor Ort sei, es zu wenig Mitarbeiter gebe und die Öffnungszeiten der Pfarrbüros kurz ausfielen, seien Pfarrgemeinderäte wichtige Ansprechpartner. Sie trügen zum Zusammenhalt der Gemeinde bei und wirkten nach außen, stellte Schütz klar.
Eine wichtige Aufgabe sieht die Diözesanrats-Vorsitzende darin, die verschiedenen Charismen in der Pfarrei zu entdecken. „So gelingt es uns vielleicht immer mehr, bei immer stärker abnehmenden Priesterzahlen weg von der Zentrierung zu mehr Eigenverantwortung der Gemeindemitglieder zu kommen.“ Sie sage immer: „Denkt daran, euer Pfarrer wird irgendwann versetzt, ihr lebt ständig in der Gemeinde. Ihr habt die Verantwortung.“ Schütz hält deshalb den Pfarrgemeinderat für unverzichtbar und spricht sich dafür aus, dass in jeder Pfarrei ein Pfarrgemeinderat gewählt wird, „und zwar mit guter Wahlbeteiligung“.
Sorgen macht Schütz, dass sich im neu gewählten Bundestag immer weniger Abgeordnete „einer Kirche zugehörig zu erkennen geben“. Den jüngsten Vorschlag des Innenministers, einen Feiertag für Muslime einzuführen, empfindet sie als „Populismus“. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit erlaube Muslimen, ihren Glauben zu leben und ihre Feste zu feiern. Schulen seien gehalten, muslimischen Kindern etwa am Zuckerfest freizugeben. Ebenso könnten muslimische Arbeitnehmer an ihren Feiertagen Urlaub machen.

Im ökumenischen Dialog

Als „wertschätzend“ für die Arbeit des Diözesanrats stufte Schütz die Teilnahme des evangelischen Regionalbischofs Michael Grabow ein. Dieser verwies in seinem Grußwort darauf, dass katholische und evangelische Christen „in unzähligen Gemeinden das Reformationsgedenken als Christusfest begangen haben“. Man habe sich gemeinsam vorgenommen, im ökumenischen Dialog weiter voranzukommen. Angesichts der abnehmenden Zahl der Christen könne man nur miteinander Zeugnis für den geben, „der unseren Glauben begründete und der uns alle zusammenhält“.
An die abnehmende Zahl der Christen und damit auch der Katholiken knüpfte Generalvikar Harald Heinrich an. „Wir dürfen uns nicht begnügen, unsere katholische Welt zu pflegen“, warnte er. „Wir werden darüber hin­ausschauen müssen.“ Das halte er für die größte Herausforderung der kommenden Jahre. Da brauche man den Erfahrungsaustausch mit denen, „die schon etwas bewegt und erlebt haben und auch den ehrlichen Blick, gepaart mit der Bereitschaft, Angebote und Strukturen nach ihrer lebens- und glaubensfördernden Struktur zu befragen“.
Er erfahre viel Gelungenes in Bezug auf die Zielsetzung der pastoralen Raumplanung. Er sehe aber auch „Stagnation und Verkrustungen, wo man manchmal das Vorhandene, Gottesdienstpläne, Immobilien und Veranstaltungen regelrecht konservieren will“. Man komme nicht weiter, wenn man sich der Realität nicht stelle. Auf eine Nachfrage aus dem Gremium bestätigte der Generalvikar, dass man auch Kirchen schließen müsse. Das sei „ein schmerzliches“ Thema und betreffe hauptsächlich Gotteshäuser aus den 1960er Jahren. Die damals gegründeten Pfarreien hätten sich nicht so entwickelt, wie zu erwarten gewesen sei.
„Wir sind als Bistum mit vielen ehrenamtlich engagierten Christen gesegnet“, hob der Generalvikar hervor und erinnerte an deren Einsatz in der Flüchtlingshilfe. Der Sozialdienst katholischer Männer und der Sozialdienst katholischer Frauen kümmere sich zum Beispiel um die sprunghaft angestiegene Zahl der Menschen, die in der Gesellschaft keine Lobby haben. Heinrich machte dann auf den Welttag der Armen aufmerksam, der auf Initiative von Papst Franziskus erstmals am 19. November begangen wird. „Ich bitte Sie sehr“, erklärte er, „diesen Tag in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit zu stellen.“    

Gerhard Buck