Anzeige

Der "Superbayer"

Zum 80. Geburtstag von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber

2002 wäre Edmund Stoiber um ein Haar Kanzler geworden. 2021 steht der CSU-Ehrenvorsitzende lang schon nicht mehr mitten im politischen Gefecht. Am 28. September wird Bayerns früherer Ministerpräsident 80 Jahre alt.

Anfang August trat Edmund Stoiber mal wieder bei einer Wahlkampfveranstaltung auf. Der Ehrengast seines örtlichen Bundestagsabgeordneten steckte laut "Münchner Merkur" im Stau. So musste der Ex-Ministerpräsident ran, um die Zeit bis zum Eintreffen von Friedrich Merz zu überbrücken. Stoiber stimmte das Publikum "auf die großen Herausforderungen unserer Zeit" ein und zitierte Kurt Tucholsky: "Das Volk weiß wenig, aber es ahnt viel." So ahnten Stoiber zufolge 91 Prozent der Menschen, "dass wir vor weitreichenden Veränderungen stehen" - vom Klima über Europa bis zur ökologisch-sozialen Marktwirtschaft.

Gefragt ist Stoibers Meinung nach wie vor. Blickt er doch auf ein langes politisches Leben zurück. Am 28. September - zwei Tage nach der Bundestagswahl - wird das "blonde Fallbeil", wie er einst als CSU-Generalsekretär genannt wurde, 80 Jahre alt. Das Austeilen hat der politische Ziehsohn von Franz Josef Strauß im Ruhestand nicht verlernt, auch wenn er zunehmend als Elder Statesman zu agieren versucht. Dabei wird er nicht müde, immer wieder zu mahnen: "Die kleinen Leute nicht vergessen."

Das Soziale sei für die CSU immer das Entscheidende gewesen, sagte der mehrfache Großvater vor wenigen Monaten der "Augsburger Allgemeinen". Nun gehe es darum, "dass wir Wirtschaft und Klimaschutz unter einen Hut bringen müssen - und zwar nicht durch Verbote, sondern durch einen ökologischen Umbau unserer Industriegesellschaft".

Geboren wurde Stoiber 1941 im oberbayerischen Oberaudorf als Sohn eines oberpfälzischen Vaters und einer Mutter aus dem Rheinland. Zielstrebigkeit wird ihm bescheinigt, auch wenn er die 7. Klasse wegen Latein wiederholen musste. Nach dem Abitur leistete er seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern ab. Danach zog er sein Jurastudium durch und schloss es mit einer Promotion ab. Seine berufliche Laufbahn startete der Jurist 1971 im bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen. Drei Jahre später folgte die Wahl in den Landtag, dem er bis 2008 angehörte.

Aus dem Abgeordneten wurde von 1978 bis 1983 ein wadlbeißender CSU-Generalsekretär, bis ihn sein Idol Strauß zum Chef der Staatskanzlei machte. Nach dessen Tod 1988 ging es weiter aufwärts: erst Innenminister, ab 1993 Ministerpräsident und CSU-Chef. Beinahe wäre aus ihm der erste CSU-Bundeskanzler geworden, nachdem Angela Merkel ihm nach dem berühmten "Wolfratshauser Frühstück" die Kandidatur 2002 überließ. Ein zweites Mal hätte er 2005 nach Berlin gehen können, doch ein von Bundeskanzlerin Merkel angebotenes Superministerium lehnte er ab.

Stoibers Mission war es stets, den weiß-blauen Freistaat als Primus unter den Bundesländern glänzen zu lassen, wenn nicht gar als weltweiten Champion. Nach der Jahrtausendwende leitete er für die "schwarze Null" einen harten Sparkurs ein, was ihm die Wohlfahrtsverbände damals nachhaltig verübelten. Fast hätte ihn eine Affäre in dieser Branche sogar ganz zu Fall gebracht.

Die Pleite des Deutschen Ordens, dem Stoiber zum Körperschaftsstatus in Bayern verholfen hatte, trug ihm während seiner Kanzlerkandidatur einen Untersuchungsausschuss im Landtag ein. Zu gern hatte er geglaubt, was ihm die Manager des päpstlichen Ordens vollmundig versprochen hatten, nämlich dass sie es besser und vor allem billiger könnten als die angeblich so schwerfällige Caritas.

Am Ende stand nicht der von ihnen visionär beschworene "größte Sozialkonzern Europas", sondern ein Finanzdesaster mit Schulden in dreistelliger Millionenhöhe. Die Regulierung und Erhaltung der Arbeitsplätze in Kliniken, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen stellte das Verhältnis von Staat und Kirche in Bayern vor eine gewaltige Belastungsprobe.

Stoibers Versprecher ("glodernde Lut") sind legendär, seine Rede für den später nicht gebauten Transrapid ist Kult. Dem "Spiegel" sagte er einmal über sich und seine Frau Karin: "Wir beide, wir haben Humor. Sie in der Praxis, ich in der Theorie." Inzwischen kann er wohl selbst über seine holprigen Aussagen lachen.

Für Stoibers anhaltende mediale Präsenz sorgt auch der Kabarettist Wolfgang Krebs im Hörfunkprogramm Bayern 1. Jeden Werktag leiht er seine Stimme den "Superbayern" Stoiber, Ministerpräsident Markus Söder und dessen Vize Hubert Aiwanger, um über Alltagsfragen wie das Jubiläum der Zeitschrift "Bravo" oder über "Kartoffelchips" zu diskutieren.

Barbara Just/KNA

28.09.2021 - Bayern , Jubiläum , Politik