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Kommentar zum Beschluss des BDKJ:

Mehr Glauben, weniger Zeitgeist

In einem Beschluss des Hauptausschusses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wird das von der Bundesregierung vorangetriebene Selbstbestimmungsgesetz als Ersatz für das Transsexuellengesetz begrüßt. Ferner fordert der BDKJ, dass es Kindern und Jugendlichen auch ohne Einverständnis der Eltern, Sorgeberechtigten oder eines Familiengerichts möglich sein soll, ihre Geschlechtsidentität festzuschreiben. Unsere Redakteurin sieht die Positionierung des BDKJ mehr als kritisch:

Auch Minderjährigen steht laut dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) das Recht zur sexuellen Selbstbestimmung zu. „Das Recht auf Selbstbestimmung gilt nicht erst mit 14 oder 18 Jahren, sondern für alle Menschen gleichermaßen und somit auch für alle Kinder und Jugendlichen“, betonte der BDKJ-Bundesvorsitzende Gregor Podschun kürzlich in einer Erklärung. Weiter tat er seinen Unmut kund, dass unter 18-Jährige für die Personenstandsänderung die Zustimmung der Eltern brauchen. 

Die Äußerungen des Verbands erschrecken. Das von der Ampelkoalition initiierte Selbstbestimmungsgesetz steht in der Kritik von Medizinern, Psychologen und Pädagogen:  Kinder und Jugendliche könnten sich ohne Betreuung vorschnell für das andere Geschlecht „entscheiden“. Immer wieder berichten Betroffene, in der LGBTQ-Gemeinschaft anzuecken, wenn sie Zweifel an ihrem „Geschlechtswechsel“ äußern – und mitunter aggressiv ausgeschlossen werden. In einer Identitätskrise und im schlimmsten Fall umoperiert, drohen sie, nirgendwo mehr dazuzugehören. Will ein kirchlicher Verband wirklich mitverantwortlich sein, wenn Kinder leichtfertig in eine solche Lage kommen? 

Toleranz gegenüber und Gleichstellung von Menschen gleich welchen Geschlechts oder sexueller Orientierung muss selbstverständlich sein. Gerade deshalb sollten sie nicht ständig heraustrompetet werden. Einen Menschen machen vielmehr Eigenschaften, Fähigkeiten aus, seine Persönlichkeit. Dafür sollte der BDKJ eintreten.  

Während der Verband für alle Geschlechter offen sein möchte, schließt er Menschen mit anderer Meinung zum Selbstbestimmungsgesetz durch seine einseitige, kompromisslose Positionierung aus und suggeriert ihnen, dass sie nicht willkommen sind. Eventuell werden nun junge Menschen den BDKJ, eine bisher wertvolle Organisation, verlassen – die Kirche verliert engagierte Gläubige. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Verband nochmal überdenkt, ob es klug ist, in kirchlicher Arbeit so stark Politik und Zeitgeist zu folgen.

Lydia Schwab

10.01.2023 - Gremien , Jugend , Sexualität