Zwischen Beat und Beten (Freitag, 12. Juli 2019 15:11:00) / Im Blickpunkt / Neue Bildpost

Gigfestival in Waghäusel

Zwischen Beat und Beten

In Wallfahrtskirchen geht es ruhig zu, könnte man meinen. Still und im Gebet versunken stellt man sich die Besucher solcher Orte vor. Zweifellos trifft dies auch auf das beschauliche Waghäusel zu. Seit drei Jahren gehören aber auch wummernde Beats und quietschende Gitarrenriffs zu dem Wallfahrtsort nördlich von Karlsruhe. Das christliche „Gigfestival“ macht hier Station.

Ursprünglich war Waghäusel nur kurzfristig für einen ausgefallenen Veranstaltungsort eingesprungen. Heute gehört das Kloster in der nordbadischen Rheinebene zum festen Kern der vier Orte umfassenden Glaubens- und Musiktour. Immer im Sommer treffen sich Künstler aus aller Welt im Rahmen der Gigfestivals vor der Klosterkirche und feiern mit Jugendlichen eine bunte, laute Party des Glaubens. 

„Das Gigfestival hat eine Botschaft: Gott ist gut – und das darf man auch spüren.“ So umschreibt Pater Robert-Maria Weinkötz, Wallfahrtsrektor und Hausoberer in Waghäusel, die Veranstaltung. Junge Menschen drückten ihre Freude eben gerne mit Musik aus. Das schlechte Wetter im vergangenen Jahr tat der guten Stimmung keinen Abbruch: Bei Regen gingen viele Besucher kurzerhand in die Kirche. 

Unter die Haut

Zentrales Element jedes Gigfestivals ist die Eucharistische Anbetung, die nach der lauten Musik für Momente der Stille und der Andacht sorgt. „Unter die Haut ging, als gegen Ende des Abends das Allerheiligste auf die Bühne zur Anbetung getragen und verehrt wurde“, erinnert sich Pater Robert-Maria an das Festival 2018. 

„Alle zogen in einer sehr gesammelten Atmosphäre in die speziell für diesen Abend mit farbigem Licht ausgeleuchtete Kirche, die sich mit jungen betenden Menschen füllte. So endete das Gigfestival in der Anbetung und im Lobpreis Jesu Christi, der im Altarsakrament verehrt wurde. Es entstand ein wunderbarer Spannungsbogen vom fetzigen Lobpreis zur innigen Anbetung.“

Pater Paulus Maria Tautz von den Franziskanern der Erneuerung, der die Festival-Tour mitorganisiert, brachte es jüngst in einem Interview mit „Kirche in Not“ auf den Punkt: „Es ist viel Krach drumherum, aber es geht um die Begegnung mit Jesus, um die Stille. Alles andere ist nur Dekoration.“ Um den Verlauf des Konzerts angemessen zu gestalten, werden Bands und Musik aufmerksam ausgewählt. Die Jugendlichen, sagt Pater Paulus Maria, spüren, dass etwas Besonderes passiert.

Zu dem „Krach drumherum“ gehört zweifelsohne die Gemeinschaft. Das Festival hat „einen sehr familiären und ungezwun­genen Cha­rakter“, sagt Pater Robert-Maria. Sich an den vorigen Sommer erinnernd, meint er: „Man traf neue Leute, unterhielt sich, aß und trank und feierte den lieben und guten Gott! Es wurde viel gelacht und gesungen. Man konnte eine wunderbare Gemeinschaft erleben.“ 

Zeugnisse der Musiker

Christliche Musik, Gemeinschaft und Lobpreis – das erinnert stark an evangelikale Veranstaltungen amerikanischer Prägung. Wo ist da der Unterschied? Pater Robert-Maria hat eine klare Vorstellung: „Die Zeugnisse der Musiker sind unaufdringlich und einfach nur persönliche Zeugnisse. Es erfolgt nicht am Ende eine Aufforderung, nun sein Leben Jesus zu übergeben. Stattdessen mündet der Lobpreis in die Anbetung Jesu in der Eucharistie.“

In diesem Jahr werden in Waghäusel Künstler wie der US-Folk­sänger Mike Mangaine, die irischen Popmusiker von „I AM“ und der Deutsch-Rapper Dominik Herberhold erwartet. Pater Robert-Maria wünscht sich, mit ihnen und „mit ganz vielen die Freude an Gott feiern zu können“. 

In einer Zeit, „in der gute Nachrichten aus der Kirche es schwer haben, ihren Weg in die Medien und zu den Menschen zu finden“, wünscht er sich, „dass die Botschaft ankommt: dass wir einen guten und wunderbaren Gott haben, den wir gerne allen bekannt machen wollen.“ Sascha Zimmermann

Information

Das „Gigfestival“ findet am 19. Juli in Waghäusel statt. Infos und weitere Veranstaltungsorte im Internet: 

www.gigfestival.de 

12.07.2019 - Jugend , Musik , Wallfahrt