Pflegeroboter dürfen nicht humane Werte untergraben (Mittwoch, 26. Juni 2019 13:32:00) / Nachrichten / Neue Bildpost

Jahrestagung des Deutschen Ethikrats

Pflegeroboter dürfen humane Werte nicht untergraben

Vor einem verkürzten Verständnis menschlicher Werte in der Pflege durch den Einsatz von Robotern hat die niederländische Ethikerin Aimee von Wynsberghe gewarnt. Sie forderte am Donnerstag in Berlin ein Umdenken bei der Entwicklung technischer Pflegehilfen. Ausgangspunkt müsse ein umfassendes Verständnis der Pflege sein, um dann zu schauen, wo Hilfe etwa durch Roboter sinnvoll sei. Wynsberghe äußerte sich bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats, die sich unter dem Titel „Pflege-Roboter-Ethik“ mit „Ethischen Herausforderungen in der Technisierung der Pflege“ befasste.

Nach den Worten von Wynsberghe müssen diese Frage leitend sein: Was sollten Roboter für eine gute Pflege leisten und was nicht, was können Roboter alles tun? Bei einem Einsatz müssten die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen, des Pflegepersonals und der Angehörigen im Zentrum stehen. Die Wissenschaftlerin beklagte, dass angesichts der Herausforderung einer alternden Gesellschaft eine Tendenz bestehe, Probleme technisch zu beheben. Dabei würden die Werte auf die technologische Machbarkeit reduziert und nicht mehr im Rahmen einer umfassenden menschlichen Interaktion verstanden.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, verlangte, neue technische Lösungen mit Betroffenen zu entwickeln. Dies sei wesentlich für Vertrauen und Akzeptanz. Er verwies auf eine jüngste Umfrage der Körber-Stiftung, wonach über 80 Prozent der Befragten davon ausgingen, dass der Einsatz von Robotern in der Pflege mit weniger menschlicher Zuwendung einhergehe. Gut die Hälfte der Befragten teilte demnach die Sorge, dass Pflegeroboter die soziale Ungleichheit verstärkten, da sich künftig nur noch Begüterte eigene Pflegekräfte leisten könnten.

Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 3,4 Millionen bis zum Jahr 2050 allein im Bereich der Altenpflege auf 5,3 Millionen wachsen wird.

Der Robotik-Wissenschaftler an der Technischen Universität München, Sami Haddadin, betonte ebenfalls, das sich der Einsatz von Technik am Bedarf des Menschen ausrichten müsse. Dabei sei der Roboter trotz aller Fortschritte der künstlichen Intelligenz weiter als Maschine und Hilfsmittel anzusehen. Haddadin entwickelt derzeit nach eigenen Angaben in einer „Modellkommune“ den Einsatz von Robotern in der Altenpflege.

KNA

26.06.2019 - Ethik , Pflege , Wissenschaft