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Mit 90 verstorben

Weltweite Trauer um Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu

Kirchenvertreter und politische Führer weltweit haben den verstorbenen Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu gewürdigt. Der frühere anglikanische Erzbischof und Kämpfer gegen das Apartheid-Regime in Südafrika starb am Sonntag mit 90 Jahren in Kapstadt, wie Staatspräsident Cyril Ramaphosa mitteilte.

Ramaphosa erklärte am Morgen, Tutus Tod sei "ein weiteres Kapitel des Verlusts", mit dem sich die Nation von einer "Generation herausragender Südafrikaner" verabschiede. Seine Seele möge in Frieden ruhen, "während sein Geist über die Zukunft unserer Nation Wache steht", so Ramaphosa.

Papst Franziskus würdigte Tutus Engagement gegen Rassismus und sein unablässiges Bemühen um Frieden und Versöhnung. Franziskus hatte Tutu in seiner jüngsten Enzyklika "Fratelli tutti" (2020) neben anderen bedeutenden Nichtkatholiken als Quelle seiner Inspiration erwähnt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedauerte den Verlust eines "wunderbaren Menschen" und eines der "international markantesten Kämpfer gegen Apartheid und für Demokratie und Menschenrechte". Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte, Tutu habe sich lebenslang für die Prinzipien Menschlichkeit, Freiheit und Gleichheit eingesetzt. Auch die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus und EKD-Auslandsbischöfin Bosse-Huber kondolierten. Tutus Stimme werde fehlen.

Das Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, erklärte: "In Desmond Tutus Augen sahen wir die Liebe Jesu. In seiner Stimme hörten wir das Mitgefühl Jesu. In seinem Lachen hörten wir die Freude Jesu."

Der amtierende anglikanische Erzbischof von Kapstadt, Thabo Makgoba, rief dazu auf, "als gläubige Christen das Leben eines tief spirituellen Menschen zu feiern". Tutus Glaube habe seinen Einsatz gegen die Rassentrennung und das Apartheid-Regime motiviert. Er habe gegen Systeme gekämpft, die "die Menschlichkeit erniedrigten".

Weggefährten und politische Führer erinnerten vor allem an Tutus weltliches Wirken. "Während Tutu an erster Stelle ein anglikanischer Priester war, sprengte sein Glaube die Grenzen von Konfession und Religion und nahm alle an, die seine Leidenschaft für Gerechtigkeit und Liebe teilten", so die Desmond and Leah Tutu Legacy Foundation.

Für die "Global Elders", eine Gruppe von Persönlichkeiten mit dem Ziel, zur Bewältigung globaler Krisen beizutragen, äußerte die frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson Trauer. Tutu, ein Gründungsmitglied und von 2007 bis 2013 erster Vorsitzender der "Elders", sei "unersetzbar" und trotz seiner schwachen Gesundheit bis zuletzt ein "entschlossener Streiter" gegen Ungerechtigkeit gewesen. Die Zeitung "Sunday Times" aus Johannesburg klagte, das Land habe "sein Gewissen und seinen Polarstern verloren, der die Nation seit den 1980ern geleitet" habe.

Tutu wurde am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klersdorp/Transvaal geboren. Er war zunächst als Lehrer tätig, gab seine Stelle aber 1957 aus Protest gegen die rassistische Bildungspolitik der Apartheid-Regierung auf und entschied sich für eine anglikanische Kirchenlaufbahn.

Für seinen gewaltlosen Kampf gegen die Rassentrennung wurde Tutu 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet; im selben Jahr wurde er Bischof von Johannesburg. Von 1986 bis 1996 war er Erzbischof von Kapstadt und damit Oberhaupt von rund zwei Millionen Anglikanern in Südafrika.

Obwohl er sich zu seinem 79. Geburtstag 2010 offiziell aus der Öffentlichkeit zurückzog, äußerte sich Tutu bis zuletzt kritisch gegen Rassismus und Diskriminierung in Südafrika und vielen Ländern der Welt. Dennoch war eines seiner Markenzeichen sein Humor.

Von 1996 bis 1998 leitete Tutu die südafrikanische "Wahrheitskommission", die Verbrechen im Apartheid-Staat zwischen 1960 und 1994 aufklären sollte. Ziel seiner Kritik war vielfach auch der im Apartheid-Staat verbotene und

seitdem regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC). Zu Tutus Auszeichnungen zählen der Martin-Luther- King-Preis, das deutsche Große Bundesverdienstkreuz (1996) sowie rund drei Dutzend Ehrendoktorwürden.

KNA

27.12.2021 - Afrika , Frieden , Rassismus