Bistum Augsburg

Predigt von Bischof Bertram Meier zur Aussendung der pastoralen Mitarbeiter
Nicht Handlanger des Pfarrers, sondern Helfer des Guten Hirten

Ein Theologiestudent in den ersten Semestern macht Examen. Der Professor fragt: „Wer leitet die Kirche?“ Der Student antwortet: „Jesus  Christus.“ Darauf der Professor: „Aber das wollen wir doch hier nicht hören.“ Um es klar zu sagen: Der Student hat ins Schwarze getroffen. Der eigentliche Herr im Haus der Kirche ist Jesus Christus. Im Brief an die Römer stellt Paulus fest: „Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.“ (Röm 12,5) Jesus Christus ist der Herr der Kirche. Aber muss man überhaupt ein Wort darüber verlieren? Das ist doch sonnenklar; es reißt keinen vom Stuhl. Oder doch? Kommt damit nicht die ganze kirchliche Sitzordnung ins Wackeln? Jesus Christus „sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“ Er allein ist der Herr, auch wenn mancher Priester sich noch gern das „Herrle“ nennen lässt. Jeder Amtsträger ist diesem Herrn der Kirche verantwortlich – auf welchem Stuhl er auch sitzen mag: auf dem Priestersitz oder dem Bischofsstuhl oder gar auf dem Heiligen Stuhl in Rom. Alle Autoritäten in der Kirche haben nur so viel Sinn und Berechtigung, wie sie in der Nachfolge Jesu stehen und auf ihn als die letzte Autorität hinweisen. Konkret heißt das: Heute sende ich Sie aus nicht als Handlanger des Pfarrers, sondern als Helferinnen und Helfer des Guten Hirten, der Herr ist im Haus seiner Kirche.

Predigt zur Erteilung der Missio Canonica am 10. Juli 2020 im von Bischof Bertram Meier
Kirchliche MISSIO heißt: Auf Sendung bleiben!

Es gibt Erlebnisse, die bleiben. Das Gedächtnis vergisst sie nicht. So kann ich mich noch lebhaft an einen Schulbesuch erinnern, den ich vor einigen Jahren während einer Visitation an einem Gymnasium machte. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wurde ich mit der Frage konfrontiert: „Was ist denn das Besondere des Christentums und der Kirche?“ Meine Antwort war ebenso spontan wie einfach und klar: „Jesus und sein Evangelium, die Sorge um die Armen, wie es Papst Franziskus betont, und die Verheißung von einem Leben, das Sinn hat.“ Diese Frage samt Antwort stand nicht am Anfang. Vorausgegangen war eine lebendige und durchaus kontroverse Diskussion über viele Themen, die Kirche und Welt gerade umtreiben – Fragen, welche die Schülerinnen und Schüler wie viele Menschen bei uns in der Region bewegen. Wir müssen uns klarmachen: Die typisch katholischen Milieus sind auch bei uns in Bayern ausgedünnt oder ganz verschwunden. Darüber täuscht auch die immer noch gültige Bayernhymne nicht hinweg. Wir leben mitten in einer Welt, die geprägt ist nicht nur von katholischen und evangelischen Christen, sondern auch von vielen christlichen Konfessionen und Angehörigen anderer Religionen wie Juden, Muslimen, Buddhisten usw. Hinzu kommen nichtreligiöse Glaubens- und Lebensüberzeugungen, die ausdrücklich oder eher unbewusst artikuliert werden. Es ist eine Herausforderung, sich in einer solchen Gesellschaft als Christ zu positionieren und zu profilieren. Noch einmal die Eingangsfrage: „Was ist das Besondere des Christentums und der Kirche?“ Ich bleibe dabei: Es ist schlicht und einfach Jesus Christus. Um IHN geht es. Er ist Dreh- und Angelpunkt, um den alles kreist und der uns in die Tiefe des Lebens vordringen lässt.